Hinweis: Ihr Browser unterstützt nicht alle grundlegenden Web-Standards, und deshalb sehen Sie diesen Hinweis und das Layout nur in Auszügen. Bitte verwenden Sie einen aktuelleren Browser.

Keine Anzeige
LogoSeit 1996: Aktuell und unabhängig!

Newsletter im HTML-Format

So sieht die HTML-Version des Newsletters aus, natürlich ohne die Anzeigen. Die Mail ist ohne Grafiken oder sonstige externe Dateien gestaltet und deshalb auch off-line lesbar! Die Text-Version sieht im Vergleich schon etwas schlicht aus. Überzeugt? Einfach mal testweise abonnieren, wie es geht, steht hier.


Der Schallplattenmann sagt #685, 30.08.2010

Der Schallplattenmann sagt
Ausgabe #685, 30. August 2010

Aktualität

Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe werfen wir auch einen Blick zurück auf schon etwas länger zurück liegende Veröffentlichungen und Wiederveröffentlichungen. Manche Dinge werden ja sogar besser, wenn sie etwas liegen bleiben... aber lest selbst.
Einen schönen Start in den September! [mmh]

In dieser Woche

Tipp der Woche

In aller Kürze

Neu erschienen

Texte - lesen oder hören

Frisch aus den Archiven

@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight

Tipp der Woche

Baby Universal "Baby Universal"

Rock – Testosteron-gesteuerter 70er-Jahre-Rock('n'Roll)
(CD; Dreaminc)

Mit Jim-Morrison-Mähne, Mick-Jagger-Gesten und ziemlich dicker Hose ist Frontmann Cornelius Ochs mit seiner Band Baby Universal 2009 auf dem OBS in Beverungen angetreten, um dem gediegenen Americana-Publikum zu zeigen, was Rock'n'Roll ist. Der Rest der Welt darf sich nun mit dem Erscheinen ihres Debütalbums auseinandersetzen.
Schon der Einstieg in den ersten Song zeigt: Hier wird nicht lange gefackelt. Bass und Schlagzeug legen druckvoll ein solides Fundament für ein sehr rhythmusbetontes Album. Gefangene werden keine gemacht bei diesem 'Tour de Force'-Ritt durch den Rock'n'Roll der 70er. Da vermischen sich Twang-Gitarren mit Glam-Gesang – Marc Bolan trifft auf "Pulp Fiction" könnte man sagen. Roher Rock wird radiotauglicher Pop mit sehr viel Wiedererkennungswert. Alles wurde live und ohne Edits auf alten Bandmaschinen aus den 70ern eingespielt. Das klingt rauh und mächtig, sexy ist es sowieso. Nur ganz selten nimmt die Band Tempo und Druck zurück, um etwas der Romantik zu frönen. Tanzbar ist das ganze Album und es gibt darauf keinen wirklich schlechten Track! [lp: @@@]

[TOP]

In aller Kürze

Gone but not forgotten

Ritchie Hayward (*6.2.1946, †12.8.2010), Drummer extraordinaire und Gründungsmitglied von The Fraternity Of Man, The Factory und last but not least Little Feat.
Abbey Lincoln (*6.8.1930 in Chicago, Ill., †14.8.2010 in Manhattan, N.Y.), Jazz-Sängerin und Schauspielerin.

[TOP]

Neu erschienen

The Brew "A Million Dead Stars"

Postmoderner Bluesrock – Britisches Power-Rock Trio kurz vor dem Gipfel des Rock-Olymps
(CD; Jazzhaus)

Stevie Ray Vaughan und Jimmy Page in einer Band? Ja, es hört sich nicht nur so an. Das Gefühl, mit dem der erst 21-jährige Jason Barwick die Licks nicht raushaut, sondern hervorzaubert, erinnert sehr an eine Session mit den alten Bekannten Stevie Ray Vaughan, Jimi Hendrix oder Jimmy Page. Diese entfesselte und impulsive Spielfreude heute in frischem Gewand wiederzuhören, alte Bekannte eben, die in einen Jungbrunnen gefallen sind.
Die beiden Einsteiger "Every Gig Has A Neighbour" und "Surrender It All" hauen einem ein Mix von Kula Shaker mit Stevie Ray Vaughan um die Ohren. Beim dritten "Just Another Night" knallen die Foo Fighters gleich mit durch die Boxen. Im Mittelteil zwei akustische Leckerbissen ("Mav The Rave", "Wrong Tunes") a la Jimmy Page. "Change In The Air" ist The Brew pur und beweist erneut, warum dieser Band der Spagat zwischen traditioneller und moderner Rockmusik so gut gelingt. Selbst die bei britischen Bands sehr kritische BBC lobt The Brew als heißeste Band der Insel, mit einer großen Zukunft. Das Titelstück mit einem fulminanten The-Who-Touch, oder doch ein bisschen John Bonham am Schlagzeug gefällig?
Gleich noch mal rein mit der Scheibe, um das alles zu überprüfen. Die Deutschland Club-Tour von The Brew geht noch bis in den Herbst! [vl: @@@@@]

[TOP]

Cœur De Pirate "Cœur De Pirate"

Pop – Seeräuberbraut
(CD; Le Pop)

Konzentration! Keine Anmerkung zum Aussehen, dem Charme französisch-sprachiger Musikerinnen im Allgemeinen oder der netten Nase von Cœur de Pirate im Speziellen: Es geht nur um die Musik. Und in diesem Fall hat man auch nicht eine Minute das Gefühl, man wäre dem Debüt der Cœur-de-Pirate-Chefin Béatrice Martin nur zugetan, weil sie so nett alle Klischees erfüllt. Im Gegenteil: Sie ruht sich nicht auf ihrem Charme aus, sondern spielt respektabel Klavier und schüttelt Melodien aus dem Ärmel, die manch anderer Künstler vermissen lässt. "Comme Des Enfants" beißt sich direkt im Innenohr fest und kämpft dort mit dem poppigen "Francis" um die Vorherrschaft. Pop? Chanson? Folk? Egal – "Cœur de Pirate" klingt so unbekümmert und leicht, dass man der jungen Dame am liebsten an den Karren fahren will, aber man wüsste gar nicht wo. OK, nicht alle Songs bleiben auf gleichem Niveau und über die Langfristigkeit kann man jetzt auch noch nichts sagen, aber das wäre es dann auch schon gewesen. Ansonsten bleibt ein organisches Debüt, das es verdient hat, auch außerhalb der Riege goldiger Französinnen wahrgenommen zu werden. Schon allein, weil die junge Dame aus Kanada kommt. [dmm: @@@@]

[TOP]

Morcheeba "Blood Like Lemonade"

Belanglos-Pop
(CD; Pias)

Skye Edwards, die erste Sängerin von Morcheeba, singt nach einigen Jahren als Solo-Musikerin wieder mit den Brüdern Ross und Paul Godfrey. Die hatten sie 2004 rausgeschmissen. Für beide Seiten scheint es getrennt nicht allzu gut gelaufen zu sein. Mit dem erneuten Zusammenschluss möchte die Gruppe an die alten Zeiten anknüpfen.
Die seidige Stimme von Skye Edwards wird zu recht in den Vordergrund gemischt – sie besticht durchweg. Die Arrangements sind durchaus durchdacht und reichen vom simplen Gitarrenpicking bis hin zu Stücken mit atmosphärischen Scratch- oder Noise-Einlagen. Das ist alles so ruhig wie immer, sehr gediegen und – auch wenn die Texte düsterer sind als erwartet und sich wenigsten hier ein kleines Spannungsfeld auftut – letztlich sehr durchschnittlich. [noi: @@]

[TOP]

Pernice Brothers "Goodbye, Killer"

Americana und Pop – unterhaltsame Orientierungssuche
(CD; One Little Indian)

Vor vier Jahren füllte Joe Pernice letztmalig seine Melodien-Wundertüte ("Live A Little", 2006). Danach musste eine Auszeit her. Zeit, die er für eine Romanveröffentlichung, ein dazugehöriges gleichnamiges Soloalbum ("It Feels So Good When I Stop") und anschließende Tour bzw. Lesungen nutzte. In dieser Phase entstanden auch schon die ersten Ideen zu "Goodbye, Killer". Spontaner sollte es nun zugehen, abgespeckter, weniger aufwändig. Zwar gibt es auch hier (nun in Quartettstärke) wieder Momente großer Pop-Sensibilität oder einen Abstecher in New-Wave-Gefilde. Ansonsten dominieren jedoch Americana, (angerockter) Country oder Folk, was eher an die Tage mit den Scud Mountain Boys als an den melodiösen Power-Pop der vergangenen Jahre erinnert. Das wirkt auf den ersten Blick etwas wild zusammengewürfelt, dokumentiert aber unterhaltsam den momentanen Zustand der Orientierungssuche. Überflüssig zu erwähnen, dass trotzdem nicht lange nach den beliebten, sehnsüchtigen Stimmen und endlosen Melodien zu suchen ist...
Das traditionsverbundene Folk-Moment "The End Of Faith" beschließt das Album nebulös. Wo die Reise hingeht bleibt unklar aber spannend! [bm: @@@]

[TOP]

Philipp Poisel "Bis nach Toulouse"

Singer/Songwriter – immer noch nackt, aber nicht peinlich
(CD, LP; Grönland)

Philipp Poisel ist zu loben. Er hätte es sich leicht machen und in Richtung Formatradio-Pop abbiegen können. Stattdessen stellt er seine Kanten auf dem zweiten Album noch deutlicher heraus und verkneift sich LaLa-Songs wie "Ich und Du" vom Debüt. Natürlich ist das immer noch schmerzhaft intim, was der Barde hier zusammennuschelt, und noch immer kann man aufgrund von so viel Gefühl eine Abneigung entwickeln, aber damit täte man ihm unrecht. Kann man Gisbert zu Knyphausen für Dinge loben und Poisel dafür niedermachen? Nein. So simpel seine Lyrik oft ist – Poisel besticht gerade dann, wenn er barmt und Poesiealbumzeilen singt wie »Ich will nur, dass du weißt, ich hab dich immer noch lieb...«. Dann ist seine Flanke so offen, dass es nur Hackklötzchen Spaß machen könnte, hier reinzugrätschen. Man schämt sich zwar immer noch ein kleines bisschen fremd, aber "Bis nach Toulouse" ist ein berührendes Album, das auf sympathische Weise die Hartnäckigkeit eines scheinbar weichen Musikers zeigt. [dmm: @@@]

[TOP]

Texte - lesen oder hören

Stefan Zweig "Schachnovelle"

Hörbuch – der Klassiker in einem klassischen Hörspiel
(CD; Hörverlag)

Es ist wohl das letzte und wohl bekannteste Werk des deutschen Autors, der sich gemeinsam mit seiner Frau 1942 im brasilianischen Exil das Leben nahm. Die Geschichte von Dr. Blatt, dessen Vergangenheit als Gestapo-Gefangener ihn auf einem Kreuzfahrtschiff wieder einholt, wurde 1960 mit Curd Jürgens verfilmt und schon ein Jahr davor in einer Hörspielfassung veröffentlicht. In den Hauptrollen: Mario Adorf als Schachweltmeister Mirko Czentovic, Willy Trenk-Trebitsch als Dr. Blatt und Gert Westphal als Erzähler.
Das Hörspiel selbst ist schlicht, es kommt ohne Hintergrundgeräusche aus. Man vermisst sie auch deswegen nicht, weil – selbst wenn Art und Aufnahmetechnik eindeutig nicht von heute – Dramatisierung und Interpretation ausgezeichnet sind. Ein derart zeitloser Text wie die "Schachnovelle" ist auch in einer 'klassischen' Einspielung angebracht – umso mehr, als die Besetzung die Hörspiel-Bearbeitung durchweg fesselnd interpretiert. [noi: @@@@]

[TOP]

Frisch aus den Archiven

Bruce Springsteen "The Collection 1973-1984"

Rock – Working On A Dream
(8CD; Sony)

Um es kurz zu machen: Mehr Springsteen kann man für einen akzeptablen Preis nicht bekommen. Die ersten sechs Alben, die Bruce Springsteen aufgenommen hat, gibt es jetzt in einer Box mit sechs Pappschubern und Booklet. Wer Anfang der Siebziger geboren wurde, ist im Regelfall mit dem unvermeidlichen "Born In The USA" (1984) in den Springsteen-Kosmos eingestiegen, um sich irgendwann noch "Nebraska" (1982) nachzukaufen. Letzteres in erster Linie, weil ja immer alle Kritiker sagen, dass das eines seiner besten Alben sei. Insofern lohnt es sich festzustellen, dass das stimmt, aber auch das Debüt "Greetings From Asbury Park, N.J." (1973) zeigt schon deutlich, dass hier mehr drin steckte als »eine monumentale Zeitvergeudung« (New Musical Express). Und viele Songs aus der frühen Phase gehören noch immer zum festen Repertoire der Band. Wer bisher lückenlos Springsteen gesammelt hat, muss nicht zucken, da die Alben keine Extras enthalten und auch nicht klanglich überarbeitet wurden; wer aber wirklich nur zwei Alben der frühen Phase besitzt, sollte zugreifen, erlebt man doch einige der besten Springsteen-Momente. [dmm: @@@@]

[TOP]

Joseph von Westphalen "Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt"

Jazz – eine exzellente Sammlung zum Sonderpreis
(CD; Kein & Aber)

Vor mehr als zehn Jahren erschien unter dem so kuriosen wie anziehendem Titel "Wie man mit Jazz die Herzen der Frauen gewinnt" eine exquisite Zusammenstellung unterschiedlichster Jazz-Stücke von den 1920er bis zu den 1940er Jahren. Der Autor und Jazzfan Joseph von Westphalen holte dabei nicht nur die besten Stücke aus seinem Fundus, sondern brachte die Stücke in Verbindung zu seinen Duckwitz-Romanen, deren Protagonist Harry von Duckwitz bekanntermassen ein ausgewiesener Jazzfan ist. Mit den ausführlichen Begleittexten leistete er sich eine zusätzliche Schelmerei, die – wenngleich sie nicht notwendig gewesen wäre – den Enthusiasmus zeigt, mit dem von Westphalen die Sammlung zusammengestellt hat und wie viel Herzblut er mit dieser Musik verbindet. Es war großartig. Und auf die ersten Zusammenstellung mit vier CDs folgten zwei weitere, nicht minder hervorragende, "'Mehr Jazz!', sagten die Frauen" und "Jazz macht Frauen Beine".
Dass die mittlerweile vergriffenen Sets als Sonderausgabe neu aufgelegt wurden, ist erfreulich. Sieben Alben in einer schmucken Schachtel. Sieben, weil auf eine CD mit Texten verzichtet wurde. Das ist nicht tragisch. Ärgerlich ist jedoch, dass die versprochene Bonus-CD mit zwanzig neu entdeckten Songs fehlt – mit der fadenscheinigen Ausrede, Westphalens Zusammenstellungen hätten es »zu einem gewissen Klassikerstatus gebracht, und etwas Klassisches muss man belassen wie es ist.«
So taugt das Set für diejenigen, die es nicht kennen. Die anderen können es verschenken, selbst aber gehen sie leer aus. [noi: @@@]

[TOP]

[TOP]

Abonnieren? Wie es geht, steht hier.


(cc) 1996-2010 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

http://schallplattenmann.de/newsletter-html.html
Sprung zum Beginn der Seite

Suche im Archiv

Radio-Tipp