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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #530 vom 16.04.2007
Rubrik Kolumne

Sal's Prog Corner #62

In der letzten Ausgabe der Prog-Corner hatte ich versprochen, mich heute auf die "mittelmäßigen und schlechten" Veröffentlichungen der letzten zwei Monate zu beschränken und sie somit "ins Kröpfchen" verschwinden zu lassen. Prinzipiell präsentiert die Ausgabe dann auch wirklich einige eher enttäuschende Neuveröffentlichungen der letzten Wochen; ergänzt werden sie aber von den gerade veröffentlichten Alben der zwei Szene-Größen Porcupine Tree und Marillion, die nicht mit den verzichtbaren Releases der anderen besprochenen Acts in einen Topf geworfen werden sollten.
Viel Vergnügen beim Lesen: Keep on proggin'. [sal]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Neal Morse "Sola Scriptura"

Progressive Rock – Morse nagelt seine Thesen an die Pforte
(CD; InsideOut)

Neal Morse, bis 2002 Frontmann des ehemaligen Aushängeschilds der "neuen" Progressive-Rock-Szene Spock's Beard, erfreut die Prog-Welt alle Jahre wieder mit Solo-Scheiben mit kontemplativ-religiösen Texten. Selbstfindung und Zweifel, Verführung und Erlösung: Neals neues Leben als wiedergeborener Christ prägt seine Gedankenwelt und spiegelt sich in seinen Texten wider.
Auf seinem neuen Album "Sola Scriptura" holt Neal Morse zum ultimativen Schlag gegen die Papisten aus: Der Ich-Erzähler Martin Luther kämpft gegen die verblendeten und dekadenten Katholiken und ihren verweltlichten Irrglauben und für die reine Lehre. Textlich will ich das gar nicht mehr kommentieren (irgendwie spricht der spätmittelalterliche Glaubenskrieg für sich), musikalisch bietet Morse natürlich auch nichts Neues: Die üblichen Versatzstücke aus dem populären Morse-Baukasten reichen für das x-te Selbstplagiat. Daran ändern dann auch nichts die etwas härteren musikalischen Akzente, unter anderem gesetzt durch Paul Gilbert (g, ex-Mr. Big) und dem üblichen Morse-Sologefährten Mike Portnoy (dr, Dream Theater). Musik und Texte zum Abgewöhnen. [sal: @]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Van Der Graaf Generator "Real Time"

Progressive Rock – Das Comeback-Konzert in der Royal Albert Hall, London vom 6.5.2005
(2CD; Fie!)

Die Rückkehr des "klassischen" Van-Der-Graaf-Line-Ups mit Peter Hammill (voc, g, p), Hugh Banton (keyb), Guy Evans (dr) und David Jackson (sax, fl) habe ich jahrelang für völlig ausgeschlossen gehalten. Dass es dann doch geschah, mag viele Gründe haben; Geld spielte dabei gewiss keine größere Rolle, dafür sind die beteiligten Musiker zu integer.
Das erste Konzert (eine kleine Reunion-Tour sollte folgen) fand am 6.5.2005 in der ehrwürdigen Royal Albert Hall in London statt. Vielleicht waren die Erwartungen an die Band nach ihrem exzellenten Studio-Comeback "Present" zu hoch oder die Musiker zu aufgeregt nach 27 Jahren wieder gemeinsam auf einer Bühne zu stehen. Wie dem auch sei: Der vorliegende Mitschnitt "Real Time" ist gespickt mit unüberhörbaren Verspielern, verpassten Einsätzen und verpatzten Tönen. Dies ist selbst für Van Der Graaf Generator ein (musikalisch) schlechter Auftritt. Freilich: Sie waren noch nie eine Band, die technische Perfektion bei ihren Live-Auftritten zu bieten hatte. Vor allem Frontmann Hammill galt und gilt als eher mittelmäßiger Musiker, der stets mehr durch Ausdruck und Charisma überzeugen konnte als durch eine saubere Spieltechnik. Doch auf "Real Time" ist es einfach zu viel (respektive zu wenig) des Guten: Beim Hören kommt aufgrund der schlechten Bandleistung keine rechte Freude auf. Die Wertung enthält also mindestens einen halben Punkt für die historische Relevanz der Aufnahmen. Musikalisch hatten Van Der Graaf auf praktisch jedem anderen Album mehr zu bieten, ganz zu schweigen von Hammills exzellentem Solo-Album "Singularity". Immerhin hat "Real Time" den Bonus eines ungeschminkten, 'echten' Live-Dokuments. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Dominici "O3 · A Trilogy - Part 2"

Progressive Metal – Dream Theater, ick hör Dir tapsen
(CD; InsideOut)

Charlie Dominici war dereinst Sänger der ProgMetal-Giganten Dream Theater, als diese auf ihrem Debüt "When Dream And Day Unite" (1989) noch kleinere Brötchen backten, aber zumindest einen Achtungserfolg erzielten. Eine glänzende Zukunft stand der Band bevor, doch kurz nach den Aufnahmen musste Dominici die Band verlassen (– die üblichen 'musikalischen Differenzen'?) und wurde durch James LaBrie ersetzt. Das zweite Album "Images & Words" (1992) wurde zum Meilenstein des Progressive Metal und Dominici ward vergessen und arbeitete fortan in einem bürgerlichen Beruf. So kann es gehen.
Nach langer Abstinenz versucht Charlie Dominici nun doch mit einer nach ihm benannten Band ein Comeback in der Szene. Das geht ca. die Hälfte des Albums "O3 · A Trilogy - Part 2" (– wo ist bitte "Part 1" eigentlich erschienen?) leidlich gut, danach wird das B-Plagiat der alten Stammband dann doch zu langweilig. Trotz aller Beteuerungen in Interviews gelingt es Dominici nicht einen eigenen Sound zu entwickeln, im Gegenteil: Das Album klingt in seinen besten Momenten nach Dream Theater, ansonsten ist viel 08/15-Gebratzel dabei, das heutzutage vermutlich nur noch ganz wenige hören wollen. Ob sich Charlie Dominici damit einen Platz im Prog-Olymp sichern kann, ist also mehr als fraglich. Der zweite Teil der Trilogie "O3" macht auf keinen Fall neugierig auf den abschließenden Teil. [sal: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Marillion "Somewhere Else"

Rock/Progressive Rock – Das vierzehnte Studio-Album der englischen Prog-Institution
(CD; Intact)

24 Jahre nach ihrem Debüt-Album "Script For A Jester's Tear" (1983) und zig Studio- und Live-Alben weiter, präsentiert das englische Quintett Marillion auf seinem 14. Album den Mix, der im Prinzip auch den gelungenen Vorgänger "Marbles" (2004) ausmachte; dieses Mal allerdings wieder weniger episch: Songs zwischen Mainstream-Rock und Progressive Rock, gespickt mit einem Hauch von Sixites, Blues und (wie immer, seitdem Steve Hogarth am Mikro steht) mit viel Melancholie. Das Ergebnis "Somewhere Else" ist zwar nicht das beste Album der Band und kommt auch nicht an den Vorgänger heran, aber es ist beileibe nicht das schlechteste: Man erinnere sich nur an die furchtbaren Versuche 'hip' zu klingen, wie auf "Radiation" (1998), "marillion.com" (1999) und "Anoraknophobia" (2001).
Schade, dass man auf kommerzielle Ansätze (speziell bei den ersten Stücken des Albums) nicht verzichten wollte; das Titelstück zeigt, dass Marillion auch heute noch (zukünftige) Klassiker aus dem Ärmel schütteln können. Die Punktezahl ist dann auch durchaus wörtlich zu verstehen: Das Album "Somewhere Else" ist eine 'erfreuliche Delikatesse'; zu mehr reicht es wegen den durchschnittlichen, radiotauglichen Stücken nicht ganz. Dennoch: Daumen hoch.
Marillion präsentieren ihr neues Album auch live: 4.5.2007 Hamburg, 13.5. Köln, 14.5. Offenbach, 17.5. Stuttgart, 18.5. München. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Porcupine Tree "Fear Of A Blank Planet"

Artrock/Progressive Rock – Neues Album, neue Ausrichtung
(CD, 2CD; Roadrunner)

Porcupine Tree können auf ihrem neunten Album (Live-Alben und Improvisations-Alben nicht mitgezählt) noch überraschen: Nicht wenige hatten nach "Deadwing" (2005) ein weiteres Abgleiten in zu mainstreamige Gefilde befürchtet, die Single "Lazarus" schien in diese Richtung zu weisen, doch Steven Wilson und seine Mannen vollführen die x-te stilistische Kehrtwende und belegen ihren Ruf als schwer zu kategorisierende Band.
"Fear Of A Blank Planet" ist weder der prophezeite, kommerzielle Ausverkauf der Band, noch eine Fortführung der ProgMetal-Zitate von "In Absentia" (2003), vielmehr beziehen sich Porcupine Tree hier auf ihre musikalischen Wurzeln als psychedelisch-progressive Rockband mit epischen Stücken, allerdings auf einem deutlich höheren Level, denn anders als bei ihren Frühwerken, etwa "The Sky Moves Sideways" (1995) und "Signify" (1996), agiert hier eine Band gleichberechtigter Musiker. Außerdem ist Steven Wilson mittlerweile ein gereifter Sänger und Texter, dessen Stimme viel mehr Gewicht erhält als bei den frühen Alben. Mit anderen Worten: "Fear Of A Blank Planet" präsentiert Porcupine Tree aufregend neu und dennoch 'in character', wohl das Beste, was man vom neuen Album einer Lieblingsband sagen kann.
Das Album erscheint sowohl als einfache CD wie auch als Doppel-CD, letztere enthält neben dem regulären Album-Mix auf der zweiten CD das komplette Album im 5.1 Mix. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

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