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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #376 vom 09.02.2004
Rubrik Feature

Sal's Prog Corner #33

Kaum ist das alte Jahr vorüber, schon warte ich mit einer vollgepackten Prog-Corner auf meine wehrlosen Opfer, das fängt ja gut an. Neben einem Blick auf die üblichen Mainstream-Prog Neu- und Wiederveröffentlichungen wage ich heute mal einen etwas durchdringenderen Blick auf die deutsche Szene (weitere deutsche Bands folgen demnächst) und als Nachzügler zum letztmaligen DVD-Schwerpunkt gibt es heuer zu Beginn noch einen Nachzügler. [sal]


King Crimson "Eyes Wide Open"

Progressive Rock – 2 Tourneen, 2 Konzerte, 2 audiovisuelle Ereignisse – 2DVD
(CD; Sanctuary)

King Crimson waren stets, und dies ist mittlerweile durch zahlreiche nachträglich veröffentlichte Archivaufnahmen belegt, eine Live-Band. Wie erfreulich, dass es neben der sehr empfehlenswerten 1999 erschienenen "Deja Vrooom" nun auch audiovisuelle Dokumente der 2000er (DVD2: "Live In London") und 2003er (DVD1: Live In Japan) Tournee gibt.
Wie auch schon beim letzten Mal ist die Umsetzung auf DVD mit zahlreichen Gimmicks gespickt (etwa nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Improvisationen) und wie immer, zumindest in den letzten Jahren, geraten die Live-Umsetzungen der einzelnen Stücke vitaler, energiegeladener und noch überzeugender. Auch 35 Jahre nach der Gründung hat diese Band dank ständiger Weiterentwicklung und Metamorphosen nichts von ihrer Klasse eingebüßt. [sal: @@@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Threshold "Critical Energy"

Progressive Metal – Eine absolute Genregrösse live – , auch als DVD und DVD/2CD-Set
(2CD; InsideOut)

Während ich dem letzten Studioalbum "Critical Mass" der englischen Progmetaller von Threshold nicht so recht viel abgewinnen konnte (und das Album in meinem Regal schnell Staub ansetzte), ist ihre neue Live-Scheibe richtiggehend erfreulich. Wahrscheinlich weil mir die Anbiederung an den Mainstream für meinen Geschmack zu weit ging, zählte ich Threshold zu jenen Bands, die ihren Zenit schon überschritten hatten. Doch "Critical Energy" ist ein starkes Lebenszeichen.
Der Sound stimmt (obwohl ich solch eine perfekte Darbietung ohne Overdubs kaum für möglich halte), die Songauswahl ist gelungen, die Live-Atmosphäre wurde gut eingefangen, die Band spielt einen bombastischen Sound der hauptsächlich Gitarren-orientiert ist, Frontmann Mac überzeugt rundum als Sänger.
Für den zuletzt etwas enttäuschten Fan ein echter Leckerbissen, für Progmetal-Fans, die diese Band bisher noch nicht kennen, ein wirklich geeignetes Einsteigeralbum. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Inquire "Melancholia"

Progressive Rock – Dröges aus deutschen Landen – CD+EP
(CD; Musea)

Ich habe ja schon viele Alben gehört, weiß Gott auch seltsame, aber was die deutsche Band Inquire auf "Melancholia" präsentiert, hinterlässt mich völlig rat- und verständnislos. Vielleicht fehlt mir der entsprechende Humor, um ironische Brechungen zu erkennen, doch für mich kommt das Hauptalbum daher, als sei es der überambitionierte Versuch eines Französisch-Leistungskurses ein (pseudo-)intellektuelles Konzeptalbum über Sartres Novelle "Nausea" (= Übelkeit; nomen est omen...) zu fabrizieren. Musikalisch irgendwo zwischen Melodic-Rock-Kitsch, Krautrock-Attitüden und mit peinlichem Schulfranzösisch gewürzt, bietet das Album musikalisch nichts, was eine Veröffentlichung rechtfertigt. Das haben andere schon besser gemacht. Textlich wirkt das unfreiwillig komisch, wenn etwa in "Der Autodidakt" historische Persönlichkeiten aufgezählt werden und dort "Herberger, Sepp" natürlich nicht fehlen darf. Die CD ist halt auch rund.
Aber es kommt noch viel schlimmer: Auf der beigefügten EP "Welcome To My Rock And Roll" vergreifen sich Inquire mit extrem wenig musikalischem Feingefühl an Louis Viernes 3. Orgelsymphonie, einem Werk, in dem sie die Rockmusik vorweggenommen sehen wollen. Doch weh, doch ach, allein für das Arrangement gehört den Jungs der Kopf gehörig gewaschen und so richtig kann man ihrem Gedankengang nicht folgen, weder wenn man das Original von Vierne kennt, noch wenn man der Umsetzung lauscht. Das ins Stück hineingeblökte "Rock And Roll" (sic!) tut dann sein Übriges. Ich zitiere Zappa, der mir immer wieder Trost spendet, wenn Rockmusiker sich unsachgemäß an Klassik vergreifen: "Revised music for low budget orchestra". [sal: @]


Grobschnitt "Illegal Live"

Progressive Rock – Das Abschlusskonzert der "Illegal"-Tournee
(3CD; Wolkenreise)

Eroc, der ehemalige Drummer von Grobschnitt ist ein Magier. Nicht nur, dass er seinerzeit (und später als Solist) ein exzellenter Drummer war und eine schillernde Figur in einer schillernden Band, er ist ein Klangmagier mit viel Gefühl für den richtigen Sound und das richtige Konzert. Waren schon die bisher von ihm restaurierten und auf seinem Label Wolkenreise veröffentlichten vier Volumina der "History Of Solar Music" klanglich und musikalisch absolute Highlights, so setzt der gute Mensch aus Westfalen mit seinem neuesten Archiv-Release noch einen drauf. Auf drei vollgepackten CDs, die in einem wunderschönen Digipak samt rarer Fotos und witzigen und informativen Liner Notes daherkommen, zaubert er noch einmal die Magie dieser Band live von der ersten Note des Intros bis zum finalen Applaus herbei.
Einmal Zeitreise: Destination Essen, Grugahalle, 8. Mai 1981. Satte 3 1/2 Stunden beste Rockmusik(-Unterhaltung). Nichts, was die Band zu ihren Lebzeiten veröffentlicht hat, kommt auch nur annährend an die Qualität und an die musikalische Ausdrucksstärke (und den Humor) dieser Veröffentlichung heran. Wenn man nichts von der Band hat, so sollte man sich zumindest dieses 3-CD-Album zulegen; wenn man alle anderen Alben von ihnen hat, dann braucht man dieses erst recht. "Illegal Live" ist das rundum perfekt gelungene Tondokument. [sal: @@@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Apogee "The Garden Of Delights"

RetroProg – Zwischen frühen Marillion und mittleren Genesis
(CD; Musea)

Och jo – das ist ja wirklich anhörbar! Apogee, das Solo-Projekt des Versus-X Sängers (und Multiinstrumentalisten) Arne Schäfer mit freundlicher Unterstützung des (Versus-X-) Drummers Uwe Völlmar, legt mit "The Garden Of Delights" ein rundum solides Werk vor, ganz den alten Helden und dem alten Geist verpflichtet. Irgendwo zwischen Genesis und den frühen Marillion, mit expressivem Gesang und suggestiver Soundarchitektur entführt Schäfer alias Apogee uns in einen (progressive-Rock-) Lustgarten. Dies gelingt ihm musikalisch zumeist durchaus ansprechend. "The Garden Of Delights" ist zwar kein epochales Meisterwerk, aber ein gelungenes, offenbar sehr introspektives, poetisches Werk, in dem sehr viel Charakter steckt.
Trotz einiger Unebenheiten in der Produktion, ist das Album durchaus für den interessierten Fan empfehlenswert: Man sollte halt nicht außer Acht lassen, dass hier alles im Alleingang eingespielt und produziert worden ist. Dafür klingt es, anders als 95% der anderen "habe-ich-alles-selbst-gemacht-Alben" durchaus gut. [sal: @@@]


Ritual "Ritual"

Progressive Rock – Re-Release des Debüts von 1995
(CD; Tempus Fugit)

Endlich wieder erhältlich ist das Debüt-Album der schwedischen Prog-Rocker Ritual, das 1995 erschien und schon längere Zeit out-of-print war. Nun ist das Werk remastered wiederveröffentlicht worden. Für neu hinzugekommene Fans eine erfreuliche Nachricht, gilt doch das Debüt-Album immer noch als ihr bestes (obwohl ich persönlich das letztjährige "Think Like A Mountain" vorziehe). [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Thinking Plague "A History Of Madness"

Avant-Prog – Das fünfte Album der amerikanischen Avantgarde-Band
(CD; Cuneiform)

Es gibt Scheiben, die hauen einen direkt beim ersten Mal um (und nutzen sich oft genug genauso schnell ab); es gibt aber wiederum Alben, die erschließen sich einem erst langsam, nach und nach, so als ob man das Bild immer wieder betrachten müsste, um überhaupt zu erkennen, worum es geht.
"A History Of Madness" macht es einem Hörer bestimmt nicht leicht: Die hier verwendeten Elemente wirken alle mystifiziert, verfremdet (und befremdend), wie durch ein anderes tonales System oder besser: durch eine andere Klangsprache verändert. Melodischer, mehrstimmiger Gesang, hauptsächlich akustische Instrumente, Saxophone, Akkordeons, Harmoniums, dazu ungerade Volksmusik-Rhythmen aus weit entfernten Kulturen, verwirrende Texte, "Vocals and other vocal emissions, suffering and overcoming" (laut Booklet), all dies zu einem wahrhaft düsterem Gesamteindruck zusammengefügt. Ein paranoider Trip, der wirkt, als sei er zwischen Neuer Musik und Edgar Allen Poe entstanden, und der die Grenzen der Musik weit auslotet. Sperrig und widersprüchlich, dafür eben auch nie langweilig und gerade im Widerspruch in sich absolut stimmig. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

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