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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #626 vom 27.04.2009
Rubrik Neu erschienen

Jeff Beck "Performing This Week... Live At Ronnie Scott's"

Jazz-Rock – mit breiten, kurzen Handwerkerfingern!
(CD, DVD; Eagle)

Der junge Jimi Hendrix fand, Jeff Beck sei der beste Gitarrist der Londoner Szene. Während aber Becks Kollegen Eric Clapton, Jimmy Page und Ritchie Blackmore Weltkarrieren neben einzigartigen Sängern zelebrierten, verpasste Jeff Beck diese Chance – obschon: Rod Stewart, Sänger der Jeff Beck Group Ende der 1960er, hatte das Potenzial.
Anfang der 1970er wandelte sich Jeff Beck verblüffend: Der flinke Bluesgitarrist häutete sich über das formidable Group-Album mit der Orange (1972) zum virtuosen Jazz-Rocker, veröffentlichte bahnbrechende Alben wie "Blow By Blow" (1975) und "Wired" (1976) – mit innovativen Musikern wie dem Keyboarder Jan Hammer. In den 1980ern und 90ern wirkte Jeff Beck seltsam desorientiert, machte Synthie-Rock und Rockabilly. Doch dann, Ende 1999, plötzlich wieder ein Quantensprung: Mit "Who Else" startete Jeff Beck seine zweite avantgardistische Phase. Mit innovativen Beat-Produzenten machte Beck Electronica-Sounds, ja Thrash Metal und ein Duett mit einer Amsel... Plötzlich riss er Klang-Hemisphären aus den Saiten, die atemlos machten. "You Had It Coming" (2001) und "Jeff" (2003) folgten, alle drei großartige Alben mit Stücken wie "Angel", "Bulgaria", "Nadia" und "Suspension", die zu populären Instrumentals aufstiegen.
Und jetzt, nach fünf Jahren, das Live-Album "Performing This Week... Live At Ronnie Scott's". Die Mitmusiker erste Liga: Schlagzeuger Vinnie Colaiuta (ex-Frank Zappa), Keyboarder Jason Rebello (Sting, Wayne Shorter) und die hochtalentierte Tal Wilkenfeld am Bass. Auf der gleichnamigen DVD sieht man Freunde von Mr. Beck im Publikum des Ronnie Scott's sitzen: Robert Plant und Stevie Winwood. In dieser lauschigen Atmosphäre des kleinen Sohoer Jazzclubs also feuert Beck Glanzstücke seines Könnens ab. Und wer ihn mal aus drei Metern live erlebt hat, der verzweifelt: Jeff Beck reißt, ohne Synthesizer, ohne Plektrum, mit breiten, kurzen Handwerkerfingern Töne aus einer Gitarre, die in die Seele einsinken.
Das Tracklisting lässt keine Wünsche offen: Aus der Jazz-Rock-Phase bringt er "Led Boots", "Goodbye Pork Pie Hat", "Scatterbrain", "Cause We've Ended As Lovers", "Stratus" (von Billy Cobham), aus der neuen Heavy-Electronica-Phase spielt er "Nadia", "Angel", "Brush With The Blues" und "A Day In The Life" von den Beatles. Das alles ist Kunst!
Dennoch Kritik: Jeff Beck sollte dies seit Jahren etablierte Programm häufiger variieren, auch sollte er sich fragen, ob er nicht langsam unter jenem 'Ricky-King-Syndrom' leidet, unter dem auch Roy Buchanan litt: Ihm fehlen die Gegenspieler! Wer erinnert sich an das Live-Album Jeff Beck "Live With The Jan Hammer Group" (1977)? Selbst nach 32 Jahren ist es innovativer als "Performing This Week...".
Aber Jeff, du wirst uns weiter überraschen! Wann also kommt deine dritte avantgardistische Phase? [vw: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


Permalink: http://schallplattenmann.de/a117929


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