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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #582 vom 05.05.2008
Rubrik Kolumne

Sal's Prog Corner #71

Tja so kann es gehen: Fast zwei Monate sind seit der letzten Prog Corner vergangen und ich habe den Eindruck, dass sich in den letzten Wochen nicht wirklich viel Neues, Herausragendes in der Szene getan hat. Also sei's drum: Machen wir einmal eine Prog Corner ohne besondere Highlights (Halt! Eine Ausnahme gibt es mit Thieves' Kitchen dann doch!), überraschend vielen selbst vertriebenen Scheiben und dokumentieren (hauptsächlich) Stagnation und soliden Durchschnitt. Wenn ich ehrlich bin, gibt es das im Prog (wie in jeder anderen Musik-Nische auch) nicht gerade selten.
Heute also kaum flammende Kaufempfehlungen, aber immerhin auch keine eminenten Warnungen, stattdessen eher einen kurzen, knappen Überblick, über das, was dann doch vorgefallen und erwähnenswert ist.
Viel Spaß, beim Lesen – keep on proggin'... [sal]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Dawn "Loneliness"

Quelle: http://www.justforkicks.de

RetroProg – Zwischen Sonnenaufgang und Einsamkeit
(CD; Eigenvertrieb)

"Loneliness" ist das Debütalbum der vielversprechenden Band Dawn aus Montreux (Schweiz). Auf ihrem erstaunlich ausgereiftem und exzellent produzierten Debüt verknüpfen sie geschickt den Sound und die Grundstimmung der glorreichen 1970er; speziell die Referenzen an die frühen und mittleren Genesis sind unüberhörbar, wenn auch nicht ganz so unselbstständig wie bei manch anderer Band. Der Kopfgesang des Sängers René Degoumois macht hier wohl den Unterschied.
Das Album bleibt mit seinen melancholischen Nummern zumeist in ruhigen Fahrwassern, was dann letzten Endes bei mir nicht so recht den Funken überspringen lassen will. Vielleicht haben Dawn auch nur das Pech, mitten in einer 'RetroProg-Schwemme' ein überdurchschnittliches, aber unaufdringliches Album herauszubringen, dass in der Masse der gleichartigen Veröffentlichungen untergeht, weil es (musikalisch gesehen) nicht genügend Ellenbogen, nicht genügend Hervorstechendes hat. Wer's melancholisch mag, wird Dawn sicherlich zu schätzen wissen. [sal: @@@]


Dominici "O3 A Trilogy - Part 3"

Progressive Metal – Alles wie gehabt
(CD; InsideOut)

Der dritte Teil der Comeback-Trilogie "O3" des ex-Dream-Theater-Sängers Charlie Dominici und seiner gleichnamigen Truppe klingt zum Großteil, wen wundert's, nach den Frühwerken seiner ehemaligen Band und, auch keine Überraschung, nach dem zweiten Teil "O3 A Trilogy - Part 2" (2007): Alles wie gehabt. Die Stärken des Vorgängers, nämlich Dominicis Stimme, sind dann auch die Stärken des abschließenden Teils der Trilogie. Die Schwächen bleiben ebenso dieselben: Die Band spielt solide (wenn auch nicht übermäßig brillant oder überdurchschnittlich virtuos) 08/15-ProgMetal, wie er von zahlreichen anderen Dream-Theater-Epigonen bereits fabriziert wurde. Kompositorisch verlässt Dominici zu selten den sicheren Pfad der Vergangenheit, nur kann er kompositorisch mit seinen ex-Bossen Portnoy/Petrucci nicht mithalten. Das macht das Album zwar nicht direkt zum Ärgernis, aber es bleibt deutlich unter den Möglichkeiten seiner markanten Stimme.
Für Dream-Theater-Fans, speziell der ersten Alben, eine nette Ergänzung der Sammlung, für alle anderen wohl eher überflüssig. Schade, hier wäre (vielleicht) mehr drin gewesen. [sal: @@]


Nosound "Lightdark"

Quelle: http://www.nosound.net

New Artrock – Melancholisches im Stile der Briten von No-Man
(CD; Burning Shed)

Als 2005 das Debütalbum "Sol29" von Nosound erschien, handelte es sich nur um das Solo-Projekt des aus Rom stammenden Sängers, Keyboarders und Gitarristen Giancarlo Erra. Mittlerweile hat Erra eine feste Besetzung an Bord geholt, die Grundausrichtung des Sounds bleibt freilich dieselbe. Nosound lehnen sich stark an das (nicht nur namentlich verwandte) britische New-Artrock-Projekt von Tim Bowness (unter anderem Centrozoon) und Steve Wilson (Porcupine Tree) an, das seit 1993 in loser Folge fünf Alben veröffentlicht hat.
Nosounds Stil kann man als melancholisch-ruhigen, ambient-durchsetzten Rock bezeichnen, eine Art Synthese aus den Adagios von Pink Floyd, Brian Eno und Porcupine Tree oder noch kürzer: Die nahezu perfekte Kopie von No-Man, zumal auf "Lightdark" Tim Bowness bei einem Stück höchstpersönlich am Mikro steht. Und genau das ist das Problem: Nosound fehlt es an eigener musikalischer Persönlichkeit (deswegen gibt es auch einen vollen Punktabzug). Andererseits, wer die Welt voller Schwermut sehen will und nicht so viel auf Originalität gibt, der findet in "Lightdark" den perfekten Soundtrack für seinen Weltschmerz. Doch Obacht: Ende des Monats kehrt das Original selbst mit einem neuen Album zurück. [sal: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Simon Says "Tardigrade"

RetroProg – Mehr als nur ein tadellos ausgeführtes RetroProg-Album?
(CD; Galileo Records)

"Tardigrade" ist das dritte Album der schwedischen RetroProg-Quintetts Simon Says (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Alternative-Rock-Truppe aus den USA) und dieses Mal scheinen die Mannen um Bandkopf Stefan Renström alles richtig gemacht zu haben: Die Fans und Rezensenten der Prog-Szene scheinen außer sich vor Entzückung zu sein. Das Album trifft offenbar in seinem streng durchgehaltenem Retro-Sound genau den Geschmack des Progressive-Rock-Mainstreams.
Stilistisch orientieren sich Simon Says an den großen Vorbildern Yes und (in deutlich geringeren Anteilen) Genesis; düstere Klänge, die gar nicht mal so untypisch für skandinavische Underground-Bands sind, sucht man bei ihnen vergebens. Alles in allem klingen Simon Says ein wenig wie eine dreckigere Variante der Szene-Platzhirsche Flower Kings. mit mehr Rock-Anteilen und weniger Fusion-Allüren. Trotzdem fehlt mir an diesem an und für sich erfreulichen Album etwas, das ich kaum festmachen kann. Zum einen bin ich mit dem Gesamtsound des Albums nicht glücklich, zum anderen finde ich viele Kompositionen auf dem Album zwar ordentlichst ausgeführt, dennoch wollen die meisten Nummern bei mir nicht zünden, nicht hängenbleiben.
Ob "Tardigrade" dann wirklich mehr als nur ein tadellos ausgeführtes RetroProg-Album ist, wird sich zeigen. Nicht alles, was meinen Geschmack nicht trifft, ist zwingenderweise in meinen Augen (pardon, meinem Ohr) schlecht. [sal: @@@]


Thieves' Kitchen "The Water Road"

RetroProg – Well done...
(CD; Eigenvertrieb)

Es hat sich einiges bei Thieves' Kitchen getan, seitdem sie mit ihrem letzten Album "Shibboleth" (2004) nachdrücklich auf sich aufmerksam machten. Zum einen holten sie einen prominenten Keyboarder in die Band, den Schweden Thomas Johnson von der mittlerweile aufgelösten Kult-Truppe Änglagård, zum anderen gingen sie für ihr viertes Album "The Water Road" in ein richtiges Studio und verpasstem ihrem Sound endlich eine gebührende Aufnahmetechnik. Das Ergebnis kann sich hören lassen und belegt, dass Thieves' Kitchen ihren non-konformistischen Weg unbeirrbar fortführen. Sie sind weder anbiedernd melodisch, süßlich oder kitschig, noch krampfhaft anders oder schräg: Das bringt ihnen vielleicht nicht Heerscharen von Käufern, ist aber gut fürs Image und die künstlerische Integrität.
"The Water Road" ist in der Summe ein überdurchschnittliches Album mit einigen schönen Highlights, die so herrlich unverkrampft Jazzrock und Progressive Rock mischen und dennoch nichts zitieren, wie man es heuer nur selten zu hören bekommt. In seinen schwächsten Momenten ist das Album solider Durchschnitt; so richtig schlecht (oder überflüssig) wird es eigentlich nie. Johnson ist jetzt schon ein Riesengewinn für die Band und wird der Band sicher noch weitere wertvolle Impulse geben können. "The Water Road" kann man sich getrost mehrfach anhören, ohne Gefahr zu laufen, dass es sich abnutzt. Well done... [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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