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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #623 vom 30.03.2009
Rubrik Feature

Maurice und der Spuk in der Oper

Maurice Ravel (1875-1937) ist nicht gerade für seine Opern bekannt, Kunststück: Seine beiden Vokalwerke für die Bühne "L'Heure espagnole" ("Die spanische Stunde", Uraufführung 1911) und "L'Enfant et les Sortilèges" ("Das Kind und der Zauberspuk", Uraufführung 1925) sind zwei sehr gelungene, aber ungewöhnliche Umsetzungen für die Oper.
In den letzten Wochen sind gleich zwei Neuaufnahmen von "L'Enfant et les Sortilèges" erschienen, eine mit echter Starbesetzung (Simon Rattle, Berliner Philharmoniker, Magdalena Kožená), die andere 'bloß' mit nordamerikanischen Nachwuchssängern. Da sollte doch die Wahl leicht fallen, oder?
So oder so, Ravels Oper über unartige Kinder,verzauberte Uhren, Teetassen und Sessel und die Magie der Natur ist auf jeden Fall eine Entdeckung wert: So viel Humor, so viele sprühende Ideen hört man auf der Bühne nicht alle Tage. [sal]


Maurice Ravel / Rundfunkchor Berlin · Berliner Philharmoniker, Simon Rattle "L'Enfant et le Sortilèges · Ma Mère l'Oye"

Klassik – Ravels kecke Oper in Starbesetzung
(CD; EMI Classics)

Simon Rattle liebt die Musik des 20. Jahrhunderts. Der Chefdirigent der Berliner Philharmoniker hat eine ganze Reihe exzellenter Einspielungen der Werke von Benjamin Britten, Igor Stravinsky und eben Maurice Ravel (1875-1937) vorgelegt.
Sein jüngster Streich in Sachen Moderne ist die Einspielung der kurzen und kurzweiligen Ravel-Oper "L'Enfant et le Sortilèges" in Starbesetzung, unter anderem mit Annick Massis, José Van Dam und Rattles Lebensgefährtin Magdalena Kožená in der Titelrolle des unartigen Kindes. Die Topbesetzung macht Sinn: Ravel zieht hier alle Register seines Könnens, sowohl das Orchester, als auch die Sänger müssen Ungewöhnliches leisten – ein Klacks für die Berliner, deren schwelgerischer Sound gerade mit Ravels farbiger Instrumentierung harmoniert, überraschend unauffällig bleiben aber einige Sänger, da hätte ich mehr erwartet. Ausgerechnet Koženás sonst so angenehmer Mezzo-Sopran mag mich als Stimme für ein trotziges Kind nicht immer so recht überzeugen, lediglich in den ruhigen Passagen kommt ihre außergewöhnliche Stimme ganz zur Geltung.
Unterm Strich bleibt eine überzeugende Orchesterleistung (erst Recht bei "Ma Mère l'Oye") und eine solide Sängerleistung. Das schöne Artwork und das ausführliche Libretto mögen auch noch ein Plus für diese Ausgabe sein. [sal: @@@]


Maurice Ravel / Nashville Symphony Orchestra & Chorus, Alastair Willis "L'Enfant et le Sortilèges · Shéhérazade"

Klassik – Ravels kecke Oper in Nachwuchs-Besetzung
(CD; Naxos)

Der Vergleich mit der fast gleichzeitig erschienen 'Star-Einspielung' der Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle scheint ungehörig, wenn sich Nashville Symphony Orchestra & Chorus unter Alastair Willis und eine Riege junge Sänger daran messen müssen. Doch die Budget-Einspielung der Oper "L'Enfant et le Sortilèges" von Maurice Ravel (1875-1937) schneidet in diesem Vergleich alles andere als schlecht ab.
Sicher, den Nashvillern fehlt noch ein gutes Stück zur Strahlkraft der großen Berliner Philharmoniker, aber sowohl das Orchester als auch das junge Sänger-Ensemble (Julia Boulianne, Geneviève Després, Philippe Castagner, Ian Greenlaw usw.) machen das durch Engagement und Spiel- bzw. Sangesfreude mehr als wett. Wenn man so will, 'spielen' die Sänger ihre Rollen hier überzeugender als die arrivierten der Hochpreis-Produktion. Unter der nicht zu beanstandenden Leitung von Alastair Willis kommt der ironisch-komische, kindliche, magische Charakter von "L'Enfant et le Sortilèges" besonders gut zur Geltung. Addiert man nun den deutlich geringeren Preis und den immer noch ordentlichen Sound zu dieser mehr als soliden Produktion, so sehe ich wirklich keinen Qualitätsunterschied zur 'großen' Aufnahme des Major-Labels.
Wer auf große Namen verzichten kann, soll getrost zu dieser Ausgabe greifen. [sal: @@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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