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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #702 vom 31.01.2011
Rubrik Kolumne

Sal's Prog Corner #92

Ein paar Reste vom letzten Jahr und einige frühe Neuheiten des Jahres: Die heutige Prog-Corner eröffnet das neue Jahr mit einigen wenigen, aber en gros dann doch bemerkenswerten CDs – eher aus dem klassischen Progressive Rock, denn aus der Avantgarde-Ecke. Erfreulicherweise gibt es ihn inmitten der Flut von völlig austauschbaren Neuerscheinungen dann eben doch noch, den episch angelegten Progressive Rock der alten Prägung, bei dem man nicht gleich gelangweilt abwinkt und bei dem nicht alles gleich (nach Genesis) klingt. In diesem Sinne wünsche ich wie immer viel Spaß beim Lesen und Entdecken: Keep on proggin'... [sal]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Poor Genetic Material "Island Noises"

Progressive Rock – Geglücktes Comeback
(2CD; Quixote)

Oh, es war wirklich still geworden um die südwestdeutschen Band Poor Genetic Material und ehrlich gesagt hatte ich nach ihrem ordentlichen, aber letzten Endes doch nicht so konsistenten Album "Paradise Out Of Time" (2007) nicht mehr mit einem neuen Werk gerechnet. Aber siehe da: Totgesagte leben tatsächlich länger.
Ein Konzeptalbum, ein Doppelalbum sogar, ist's geworden und dann auch noch inspiriert von Shakespeares "Der Sturm". Das klingt nach (wieder mehr) Progressive Rock bei PGM und tatsächlich ist "Island Noises" im Vergleich zu allen anderen Alben der Band deutlich proggiger ausgefallen, was der melodiebegabten Band allerdings gut zu Gesicht steht. Überhaupt die Band: So homogen klang das Quintett noch nie. Ironischerweise hat man auch noch nie mit so vielen Gästen zusammengearbeitet wie auf "Island Noises", unter anderem mit Martin Griffiths (ehemaliger Frontmann bei Beggar's Opera und Vater des PGM-Sängers Phil Griffiths) als Erzähler (und Maler des Covers!). Und mit Pia Darmstaedter, die mit ihrem Flötenspiel das Album punktuell bereichert und das Gesamtbild eines geglückten, melodischen, aber überraschend unverkrampften Retroprog-Album abrundet. Den Bandköpfen Philipp Jaehne und Stefan Glomb ist es gelungen, eine Balance zwischen der ausdrucksstarken Stimme Phil Griffiths' und der Musikalität der Band zu finden. Mehr noch: Auf dem Album finden sich einige der besten Kompositionen der Band, die durch eine kluge Produktion bestmöglich umgesetzt wurden. Die Referenzen an die großen Vorbilder der 1970er Jahre (Genesis, Yes, Camel und Pink Floyd) sind zwar da, bleiben aber – anders als bei vielen anderen Retroprog-Bands – angenehm im Hintergrund.
Kaum zu glauben aber wahr: "Island Noises" ist ein unprätentiöses Mainstream-Prog-Highlight aus Deutschland geworden. Anspieltipps: Das Titelstück "Island Noises", "Assassins And Sleepers" und "Fountain Of Innocence".
Vor der offiziellen Veröffentlichung ist das Album bereits günstig im Shop des bandeigenen Labels zu haben. [sal: @@@@]


Gazpacho "Missa Atropos"

NeoProg/Postrock/Alternative – das sechste Album der Norweger
(CD; HWT)

Wohl keine andere Band in der Prog-Szene erntet derzeit (berechtigterweise) so viel Lob von Fans und Kritik, wenn es um stimmungsvolle Konzeptalben geht, wie Gazpacho. Den Norwegern gelingt es ein ums andere Mal ihren melancholischen Sound, geprägt vom wirklich bemerkenswerten Sänger Jan-Henrik Ohme, in neue Ideen einzupassen, zu erweitern, weiterzuentwickeln.
Auch ihr sechstes Studioalbum "Missa Atropos" ist da keine Ausnahme: Die Geschichte eines Mannes, der sich auf einen Leuchtturm zurückzieht, um dort eine letzte Messe für Atropos (das 'Unabwendbare', eine der griechischen Schicksalsgöttinnen) zu schreiben, fasziniert durch intensivste emotionale Momente. Die geschmackvolle, moderne Produktion und die Fähigkeit des Sextetts, jedes auch noch so abstruse Thema stimmig und unkitschig umzusetzen, machen aus "Missa Atropos" ein weitere Highlight in der hörenswerten Diskografie der Band. Dabei lässt sich das Album stilistisch zwischen den gelungensten Momenten von Muse, Marillion (bei "Marbles") und Sigur Rós ansiedeln. Oder um es kürzer zu formulieren: Gazpacho machen schöne Musik. Wer sich ab und zu gerne von Musik verzaubern lassen will, der liegt bei diesem Album goldrichtig.
Anspieltipps: "Missa Atropos", "Vera".
Die Truppe ist gerade auf Europa-Tournee und macht in Schallplattenmann-Land noch zweimal Station, nämlich am 1.2.2011 in Köln und am 2.2. in Hamburg. [sal: @@@@]


Central Park "Reflected"

Progressive Rock – Laut Albumcover: »9 tracks, 61 minutes, 12 notes, 1543 words, 7 torn strings, 1 broken bass drum skin«
(CD; Rockville)

Mit viel Liebe zum Genre hat sich die Münchener Band Central Park in den letzten Jahren einen guten Namen in der deutschen Prog-Szene bei diversen Live-Auftritten erspielt. Zwar debütierte das Quintett 2006 mit der CD/DVD "Unexpected", doch die Beteiligten sind alles andere als grünschnäbelige Jungspunde. Die Herrschaften waren teilweise schon seit Jahrzehnten (!) in diversen süddeutschen Bands aktiv und gehören ausnahmslos jener Generation an, die mit der Musik der 1970er aufgewachsen ist. Das hört man ihrer Musik auch deutlich an, die sich ungeniert (und unverkrampft) dort zu Hause fühlt, wo sich die jungen, hippen Bands nur heimlich hinein verirren, nämlich in den Untiefen des Progressive Rock.
Seit Mitte 2010 steht der Band gesanglich Jannine Pusch vor. Sie ist eine klassische Rockröhre, deren stimmliche Möglichkeiten den Sound der Truppe wenn schon nicht revolutioniert, dann doch zumindest erheblich verändert hat. Die aktuellen Central Park klingen (zum Großteil) energischer und rockiger denn je: Es pulsiert die Rhythmussektion, die Retro-Keyboards wabern, die Gitarrenriffs setzen stakkato-artige Akzente, dazu singt Jannine Pusch (Nomen ist Omen) mit ihrer druckvollen, manchmal überraschen gefühlvollen Stimme. Das Ergebnis klingt fast so, als ob die alten Uriah Heep der frühen 1970er mit Emerson, Lake & Palmer und Candice Night abrocken würden. Durch das behutsame Beifügen moderner elektronischer Elemente nutzt sich der klassische Progrock-Breitwandsound der Band auf Albumlänge nicht ab.
Wer auf den Sound der guten alten Zeiten steht, der ist mit "Reflected" bestens bedient. Anspieltipps: Der (obligatorische) Longtrack "Visions Of Cassandra", das elegische "The Last Tear" und "Guns R Us". [sal: @@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

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