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[ << | Inhalt ]Ausgabe #251 vom 09.07.2001
Rubrik Feature

Patti Smith in Wien: "Let the people have it!"

Sie freut sich, wenn ihre Lieder im Internet Verbreitung finden und von möglichst vielen Menschen gehört werden. Die Proteste der Multimillionärmusiker gegen Napster verstehe sie überhaupt nicht. "Wie viel Geld wollen diese Musiker denn noch horten? Das ist ja absurd! Let the people have it!" Patti Smith beehrte Wien mit zwei Konzerten und einer Pressekonferenz und sprach ohne Rücksicht auf die Anwesenheit ihrer Plattenfirma über Free-Trading via Internet. Ende 2001 läuft ihr Vertrag bei Arista aus, eine "Greatest Hits" wird da noch erscheinen, wie es danach weiter gehen wird, ist allerdings ungewiss. Sie konnte eigentlich nur darüber lachen, als sie über das "Greatest Hits"-Vorhaben sprach: "Ich hatte ja nur einen Greatest Hit, vielleicht füllen wir das Album mit zwölf Versionen davon..."
Über ihr Comeback mit "Gone Again", das ein Kollege als "erfolgreichstes Comeback der Rock-Geschichte" titulierte, meinte sie: "As an artist I never left. Ich mag Wörter wie Comeback nicht und mein Comeback war mit Sicherheit nicht das erfolgreichste. In meiner Heimat wurde "Gone Again" kaum registriert. Mir ist aber das Music-Biz prinzipiell egal, ich mache was ich will." Und fügt nicht ohne eine gewisse Süffisanz an: "Bei Picasso hat ja auch nie jemand gesagt, als er nach Jahren neue Arbeiten veröffentlichte – hey, Picasso macht ein Comeback!"
Der Sticker mit der Aufschrift "Revolutionary Reactionary Contemporary" auf dem aktuellen Album "Gung Ho" entsprang übrigens einer Idee der Plattenfirma, um eine größere Käuferschicht anzusprechen, da ihre Alben (mittlerweile) in den USA eher als Obskurität gelten. Wie soll es denn mit der Musik weiter gehen, die ältere Generation "verabschiedet" sich ja nach und nach? "Ich glaube nicht, dass 'meine' Generation 'besser' war als die jetzige – die Jungen sind und werden genauso inspiriert. Ich fühle mich natürlich sehr geehrt, dass ich anderen eine Inspiration bin. I really do write songs FOR the people. Ich bin allerdings zu sehr mit meiner Musik beschäftigt, um andere Musik zu hören. Aber wenn, dann höre ich Hendrix, Callas, Beethoven – ich liebe Opernmusik sehr – und Nirvana."
Direkt auf ihr Alter angesprochen meinte sie: "Alter ist nicht wesentlich. Rock-Musik ist essentiell und sollte ich mich irgendwann nicht mehr authentisch fühlen, dann lasse ich es bleiben.
Die Rolle der Frau in der Rockmusik war ebenfalls Thema: "Ich dachte niemals darüber nach, dass ich eine weibliche Musikerin bin. Das war auch nie ein Problem für mich. Was ich immer zu erklären versuchte, ist, dass ein Künstler nicht aus der Geschlechtsperspektive Kunst betreiben soll. Niemand sagt über Picasso, er sei ein männlicher, weißer Maler. Und diese Selbstverständlichkeit soll auch bei weiblichen Künstlern gelten."
Meinen Konzertbericht zum Auftritt in der Wiener Staatsoper könnt ihr übrigens unter lesen! [mh]


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