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[ Inhalt ]Ausgabe #509 vom ..
Rubrik Live - Musik spüren

Neko Case & M. Ward, 1.11.2006, Koko, London

Die Magie der Improvisation

M. Ward schreibt großartige Songs, intensiv und voll von hintergründigem Humor. In erster Line sieht er sich aber als Gitarrist. Das unterstreicht er live. Sein Set im erstaunlich gut gefüllten Londoner 'Koko' beginnt er mit einem etwa fünfminütigen Solo auf der akustischen Gitarre. Jeder Dramaturg würde davon abraten, das Publikum aber quittiert es mit tosendem Applaus. Ward hat es für sich gewonnen, und er verliert es nicht mehr. Auch wenn seine Art beim Singen in die Knie zu gehen gewöhnungsbedürftig ist, die neuen Songs kommen live noch besser und klarer als auf dem Album. Vielleicht klingt Ward ohne Band doch besser – auch wenn er sich teilweise eine zweite Gitarre aus der Konserve zu Hilfe holt. "Chinese Translation", "Requiem" oder "Story Of An Artist (Daniel Johnston)" erfüllen das wunderschone alte Theater im viktorianischen Stil. Als Ward nach einer Stunde schon wieder die Bühne verlässt, will ihn keiner gehen lassen. Aber es kommt noch Neko Case. Und eine Zugabe. Später.
Cases Set ist festgezurrt, die Songs stehen. Änderungen gibt es nur selten. Aber anders als noch im Mai in Deutschland wirkt sie ausgeruhter und frischer. Wohl auch deshalb traut sie sich hohe Schuhe zu, die sie mehr stolzieren als gehen lassen, weshalb sie sich selber schon fragt, wann sie auf die Nase fällt. Wenn sie aber singt, ist das alles vergessen. "Deep Red Bells", "Margarete Vs. Pauline", "Furnance Room Lullaby" oder Dylans "Buckets Of Rain" lassen einem wieder einmal Schauer den Rücken herunter laufen – auch weil Kelly Hogan eigentlich zu großartig ist, um einfach nur Background-Sängerin zu sein. Zur Zugabe der Höhepunkt: Ward und Case singen sich bei "To Go Home" in Rage, die Band rockt. Ein wahrhaft magischer Moment, der Case zu denken geben sollte. Es muss nicht immer jedes Arrangement, jeder Song bis in den letzten Takt durchgeplant sein. Spontan ist oft besser. Sie kann es. [hb]


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