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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #702 vom 31.01.2011
Rubrik Neu erschienen

Georg Breinschmid "Brein's World"

Wien Groove Global – ein »Contemporary Alleskönner«
(2CD; Preiser)

Und ewig schnalzt der Bass. Georg Breinschmid veröffentlicht ein Doppelpack an unkategorisierbarer Musik. It's a Brein's Brein's Brein's World mit kleinen Wiener Vorstadtmelodien, großen Konzertwalzern und Soul-Jazz, mit dem Brückenschlag zur alpenländisch-volksmusikalischen Tradition, mit Polka, Rap und Blues und mit jeder Menge Grooves zwischendrin und rundherum. Der Bassist und Sänger erzählt vom Hierbleiben und Wegfahren, spielt einmal Liszt ("Liebestraum"), einmal ansatzweise J. Strauß ("Radetzkymarsch") und sonst nur sich selbst. Die Vielfalt ist sein Markenzeichen, unverwechselbar dabei aber nicht nur sein fantastisch gespielter Bass, sondern auch seine sorgfältig-skurrilen Texte. Zeigen die instrumentalen Stücke Georg Breinschmid bisweilen von einer introvertierten Seite, die in einer speziellen Detailverliebtheit außerordentliche Nuancen zu Gehör bringt, erlebt man Georg Breinschmid in den Liedern mit Text – zwar nicht ausnahmslos, aber meistens – von einer humorigen Seite, von einem, der das Leben in sich aufsaugt und sein Denken und seine Beobachtungen in literarisch gehaltvollen Satiren raus lässt. Sprachlich auffällig sein Wiener Groove in "Tschukkn Belle" als quasi rhetorische Extravaganza bzw. phonetische Assoziationskette, die bis zur Breinschmid'schen Erkenntnis führt, dass er »im Jazzeranten Lexikon« noch nicht vorkommt. Warum eigentlich?
Ursprünglich als klassischer Kontrabassist u.a. beim Niederösterreichischen Tonkünstlerorchester, danach bei den Wiener Philharmonikern tätig, kehrte er der Klassik den Rücken. Seither widmet er sich liebevoll dem Jazz und Artverwandtem. Sieben Jahre lang war er ständiger Kontrabassist vom Vienna Art Orchestra und er spielte mit u.a. Archie Shepp, Charlie Mariano, Kenny Drew Jr., Bireli Lagrene, Wolfgang Muthspiel... – nicht nur das: Hinzu kommen des Breinschmids hervorragende kompositorische Fähigkeiten, hört euch nur mal seine im Sextett eingespielte Soul-Jazz-Komposition "Oldtime Hit" an. Wie selbstverständlich vereint sich sein globales Musikverständnis mit regionalen Codes, seine Musikstücke leben von einer hohen Toleranz für Komplexität und Vielfalt, die auf Basis der bestehenden Unterschiede das Gemeinsame und Einigende entdecken.
Drei musikalische Schwerpunkte ergeben sich auf "Brein's World". Im Duett mit Trompeter Thomas Gansch wurden sechs Stücke erarbeitet, darunter der sensationell wahnwitzige Rap "Schnucki von Heanois". Fünf Lieder entstanden gemeinsam mit Sebastian Gürtler (vl) und Tommaso Huber (acc). Allen voran "Flugzeugderorist", das anlässlich einer Security-Kontrolle am Flughafen entstand und sein "Lied des Zwangsdenkers". Acht breingeschmiedete Kompositionen wiederum erstrahlen mit seiner Kaffeehausbesetzung "Brein's Café", quasi Stammtisch, also mit Roman Janoska (vl) und Frantisek Janoska (p). Dieser Flexibelbetrieb an Trio bewegt sich dabei intuitiv und gefühlsecht zwischen Klassik, Jazz, World und Wienerlied und gibt uns so den letzten Schliff für die Schönheit, das getragene Element für das Vollkommene, die Lebenslust für einen gelungenen Tag, umgesetzt als "7/8 Landler", "Musette #2", "Liebestraum", "Klane Wiener Vorstadtmelodie". Ja, und einmal sitzt Breinschmid irgendwo in Kroatien sogar alleine im "Room 422" und pfeift sich selbst ein Liedl.
Prall gefüllt also dieses Doppel-Album, das geradezu auffordert nach und nach entdeckt, erkundet und ausgekostet zu werden. [mh: @@@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


URL: http://schallplattenmann.de/a119452


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