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[ Inhalt ]Ausgabe #626 vom ..
Rubrik Live - Musik spüren

Foto: TheNoise

Gérman Díaz, 25.4.2009, Unteres Beinhaus, Stans (CH)

Das Konzept des Liebhabers mechanischer Musikinstrumente ist simpel und wurde unter anderem schon vor Jahren vom Schweizer Bassisten Mich Gerber angewendet. Gérman Díaz nimmt eine Sequenz auf, spielt sie anschließend als Loop ab und begleitet sich dazu. Er macht das auf außergewöhnlichen Instrumenten und mit ausgezeichneten Kompositionen. Gérman Díaz spielt Drehleier, Drehorgel und Spieldose, was die unterschiedlichsten Kombinationen möglich macht. Dass er sie nutzt, ist jedoch nur die halbe Miete – wie er sie nutzt, begeistert! Seine Kompositionen für Drehleier – er spielt auch Traditionals, ein Lied der Sepharden, ein Stück des Oud-Spielers Anouar Brahem und solche von zeitgenössischen Komponisten für Drehorgel und Drehleier – haben überhaupt nichts mit den quäkenden Melodien der in historischen Kostümen auftretenden Drehorgelspieler in den Fußgängerzonen gemein. Sie stehen in der modernen Tradition eines György Ligeti, der auch für diese Instrumente komponierte. Sie sind überraschend und voller Witz, mal bluesig, dann wieder kakophonisch, und zwischendurch wirken sie wie das Pendant des "Hummelflugs" für Drehleier oder wie die wild gewordenen Darsteller eines Flohzirkus'. Das auf der Spieldose intonierte Schlaflied hingegen könnte entrückter nicht sein. Wenn an den leisen Stellen das Schaben der Kurbel durch den metallisch-hellen Klang dringt, denkt man, dass das Einschlafen früher doch schöner gewesen sein muss.
Die Musik von Gérman Díaz ist höchst artifizielle Kunstmusik, die sich – auf einem altehrwürdigen Instrument gespielt – verschiedener Epochen und Stile bedient. Dabei ist sie trotz ihrer Kunstfertigkeit kein bisschen akademisch, sondern sehr zugänglich und durchweg äußerst suggestiv. [noi]


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