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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #587 vom 16.06.2008
Rubrik Kolumne

Sal's Prog Corner #72

Satte acht Alben stehen heute in der Prog Corner: Drei mäßig geratene New-Artrock-Alben, zwei empfehlenswerte RetroProg-Alben, dazu drei Unikate unterschiedlichster Couleur. Viel zum Entdecken, zum Hören und zum Lesen, deswegen mache ich es heute mal hier besonders kurz: Viel Vergnügen, keep on proggin'. [sal]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Nektar "Book Of Days"

Psychedelic Rock – Das neue Studioalbum, altmodisch und stilecht
(CD; Bellaphon)

Es wabert und wummert, es groovt, die Gitarre singt und die Hammond-Orgel legt sich über den Band-Sound, wie ein wohl vertrauter Flokati aus den 1970ern: Das neue Album "Book Of Days" von Nektar (das x-te Studioalbum in ihrer unübersichtlichen Diskographie) klingt so, wie wir die englische (mittlerweile englisch-deutsche) Formation aus den 1970ern in Erinnerung behalten haben, wenn überhaupt.
Trotz zweier neuer Bandmitglieder (Peter Pichl, b und Klaus Henatsch, keyb) halten die Urmitglieder Ray Albrighton (gtr, voc) und Ron Howden (dr) Kurs: Die Band versucht gar nicht erst 'modern' zu klingen oder den Sound zeitgemäßer an neuere Konzepte im Progressive/Psychedelic Rock anzupassen. Man bleibt sich treu und legt mit "Book Of Days" ein Album vor, das vor allen den Fans der alten Tage gefallen wird. Weder ein Highlight in der Bandhistorie (das wird man vor allen bei den frühen Veröffentlichungen suchen), noch ein absoluter Reinfall, so ist "Book Of Days" im wahrsten Sinne unseres Bewertungsschemas: 'Solides Handwerk'. [sal: @@]


Demians "Building An Empire"

New Artrock – Wohl eher nicht 'The Next Big Thing'. Oder doch?
(CD; InsideOut)

Ausgestattet mit reichlich Vorschusslorbeeren und einem Extra-Lob vom Szene-Guru und Porcupine-Tree-Boss Steve Wilson (»Eines der verbindlichsten und vielseitigsten Debütalben, die ich jemals gehört habe. Die Substanz und Dynamik sind atemberaubend. Pflichtprogramm für jeden, der die Kunst einer epischen und ambitionierten Rockmusik des 21. Jahrhunderts zu schätzen weiß«) legt die französische Ein-Mann-Band Demians ihr Debüt vor, das sich anhört wie eine Light-Variante der großen Vorbilder des Laudators. Das klingt jetzt etwas despektierlich, ist aber durchaus nicht so gemeint, im Gegenteil: "Building An Empire" eröffnet begeisternd mit "The Perfect Symmetry", doch vor allem im letzten Drittel des Albums macht sich dann doch etwas Langeweile breit, zu repetitiv baut Nicolas Chapel die Spannungsbögen in seinen Songs auf. Ausgerechnet der abschließende Longtrack "Sand" überzeugt mich am wenigsten, davor ein paar profillose Filler – kein Zweifel, am Ende des Albums ist die Luft raus.
Ist Demians also the next big thing in der überfüllten New-Artrock-Ecke? Mit diesem im Durchschnitt 'nur' solidem Album wohl kaum. Aber Chapel hat unzweifelhaft das Zeug in Zukunft musikalisch zu wachsen. [sal: @@]


The Pineapple Thief "Tightly Unwound"

New Artrock – Ordentlich gemacht aber etwas langweilig
(CD; Snapper)

The Pineapple Thief geben mir Rätsel auf. Kaum eine Band im Sektor hat qualitativ so unterschiedliche Alben herausgebracht. Das 2007er-Album "What We Have Sown" gehörte zu den besten New-Artrock-Veröffentlichungen des letzten Jahres, ihr neues Album "Tightly Unwound" (das Debüt beim größeren Label Snapper, das auch Blackfield, no-man und den Porcupine-Tree-Backkatalog vermarktet) fällt wohl eher in die Kategorie 'ordentlich gemacht, aber etwas langweilig'.
Singer/Songwriter Bruce Soord balanciert bei seinen Alben stets auf dem schmalen Grat zwischen Melancholie und Kitsch, Weltschmerz und Weinerlichkeit, Atmosphäre und Klischee. Immer dann, wenn er dann The Pineapple Thief nach einem größeren Publikum schielen lässt, und das tut "Tightly Unwound" zweifelsohne, wird die Musik austauschbar und belanglos. Ich werde wohl wieder auf das nächste oder übernächste Album warten, um mich erneut (auf diesen Seiten) über die Qualitätssprünge zu wundern. [sal: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


The Amber Light "Play"

Rock – Das war's dann wohl mit 'Postrock'
(CD; Superball)

Einst galten sie mit ihrem Debütalbum "Goodbye To Dusk Farewell To Dawn" (2004) als die 'deutschen Radiohead'. Davon ist auf ihrem neuen Longplayer "Play" nichts mehr zu hören. Leider! Stattdessen rockt man fröhlich (!) herum und klingt wie eine unglaublich hippe Mischung aus The Smiths und Wir sind Helden. Jean Michel Tourette (sic!), Gitarrist der letzteren, war es dann auch, der die Scheibe im beliebten 'Auf die Plätze - schrammelt los'-Sound produziert hat. Das Ergebnis ist zum Großteil austauschbarer Indie-Rock, kaum vielschichtiger als jener zig anderer in- und ausländischer Bands, die in ähnlichen Gewässern fischen. Schlimmer noch: Wenn die Band auf dem insgesamt gleichförmigen Album die eingeschlagene Richtung verlässt (etwa auf "No Love Lost"), dann klingt das etwa so 'experimentell' wie die letzten Depeche-Mode-Alben. Noch schlimmer sind da nur noch die eingestreuten Balladen, die geradezu vor pathetischem Weltschmerz triefen. Das wirkt alles so unecht, dass es mich hier am meisten gruselt: Mainstream, ick hör' dir trapsen. [sal: @]


Beardfish "Sleeping In Traffic: Part Two"

RetroProg – Schwedens beste RetroProg-Truppe?
(CD; InsideOut)

Schon mit dem ersten Teil ihres Konzeptwerks sorgten Beardfish in der Szene für mehr als wohlwollendes Kopfnicken. Bei mir hingegen wollte "Sleeping In Traffic: Part One" (2007) nicht so recht zünden, darum blieb auch eine Besprechung an dieser Stelle aus. Das sieht beim zweiten Teil anders aus.
Mit "Sleeping In Traffic: Part Two" legt das schwedische Quartett ein eigenständiges RetroProg-Album vor, wie sie in letzter Zeit selten geworden sind. Der Sound von Beardfish ist betont rückwärtsgewandt, doch anders als so viele andere Retro-Bands haben sie kein Role Model, das sie möglichst präzise imitieren. Sie zelebrieren den alten Sound, nicht die alten Bands.
Humorvoll, unverkrampft, mit eigenem Sound spielten Beardfish ein betont lockeres, groovendes Album ein, das endlich einmal das ganze Potential der Band offenbart und gleichzeitig noch Platz nach oben lässt. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Birds And Buildings "Bantam To Behemoth"

Coverwiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Band

RetroProg – Aus Alt mach Neu
(CD; Emkog)

Der Keyboarder Dan Britton war an dieser Stelle schon 2006 mit seinen letzten beiden Projekten Deluge Grander und Cerebus Effect positiv aufgefallen: Kein 'more of the same', kein stupides Imitieren von alten Helden, kein Zusammenschustern von Zitaten, stattdessen exzellenter Retro-Prog mit einem gehörigen Schuss Jazzrock. Mit seinem neuesten Projekt Birds And Buildings führt er diese Entwicklung nahtlos fort und zeigt sich in allen Gebieten noch einmal verbessert. Wen wundert's: Hier hat sich ein Quartett absoluter Meister zusammengefunden, die ihre Instrumente mit Können und mit Leidenschaft beherrschen und darüberhinaus auch noch in der Lage sind, dies zu einem stimmigen Ergebnis auf dem Debütalbum "Bantam To Behemoth" zusammenzuführen.
Trotz einiger Vorbehalte in Sachen Gesang (der mich allerdings mit zunehmenden Hör-Durchläufen immer weniger stört), ist "Bantam To Behemoth" das wahrscheinlich beste Retro-Prog-Album, das ich seit langer, langer Zeit gehört habe. Die Einflüsse sind so vielfältig, so individualisiert, dass jeder andere Referenzbands heraushören kann, doch in Wirklichkeit imitiert "Bantam To Behemoth" nicht eine oder mehrere Bands, sondern ist vielmehr eine originelle Neuschöpfung, ganz im Stil der Experimentierfreudigkeit der Hochphase des Progressive Rock. Sehr empfehlenswert! [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Jupiter Society "First Contact // Last Warning"

Quelle: http://www.justforkicks.de

Symphonischer Prog – Einfach gut gemachte Unterhaltung
(CD; Fosfor)

Science Fiction und Progressive Rock gehören irgendwie zusammen (beides ist irgendwie nerdig, oder?), auch wenn die Ergebnisse nicht immer überzeugend sind. Ein paar wirklich schlimme Alben der Prog-Historie haben eine dezidierte Sci-Fi-Thematik: "Kilroy Was Here" von Styx, diverse Alben von Eloy oder das unlängst veröffentlichte Doppel-Album "01011001" der niederländischen Formation Ayreon. Es sieht fast so aus, als ob sich Zukunftsutopien und Progressive Rock vorzugsweise zu kitschigen, schwülstigen Umsetzungen verbinden.
"First Contact // Last Warning" von Jupiter Society gehört glücklicherweise nicht zu dieser Gruppe abschreckender Machwerke, auch wenn es hier an Bombast und Pathos nicht mangelt. Dem Bandkopf Carl Westholm, eigentlich Keyboarder der schwedischen Band Carptree, und seinen diversen Mitstreitern ist mit ihrem Debüt-Album die richtige Balance aus Pathos, Düsternis, Musikalität und einem Augenzwinkern zwischen den Noten gelungen. Anders als Ayreon auf deren letzten Album überzieht "First Contact // Last Warning" die Klischees nicht ins Unendliche (ha!), sondern bleibt bei allem Bombast geschmackvoll in der Wahl der Mittel. Das Ergebnis ist kein anspruchsvolles, intellektuelles Kunstwerk, sondern gut gemachte, abwechslungsreiche Unterhaltung, quasi 'leichte Muse' mit guten Melodien und Sounds. Das darf man auch mal hören... [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Matthew Parmenter "Horror Express"

Quelle: http://www.strungoutrecords.com

Prog/Singer-Songwriter – Intensiv und düster
(CD; Strung Out)

Matthew Parmenter ist in der Prog-Szene eine Ausnahmeerscheinung. Der Multi-Instrumentalist mit der ausdrucksstarken Stimme interessiert sich nicht für aktuelle Strömungen im Progressive Rock, sondern macht einfach sein Ding ohne Rücksichten zu nehmen oder auf den Markt zu schielen. So viel einzelgängerische Kompromisslosigkeit ist selten geworden.
"Horror Express" ist – wie schon das Solo-Debüt "Astray" (2004) und davor seine Band-Alben mit Discipline – eine stilistische Mischung aus Einflüssen der 1970er und 1980er Jahre. Trotz der stark verbesserten 'musikalischen Seite' des Albums ist es (einmal mehr) Parmenters Stimme und Gesangsstil, seine düsteren, resignierten Texte, die den eigentlichen Unterschied ausmachen. Gute Musik hört man oft, gute, unverwechselbare Sänger mit guten Texten hört man im Prog eher selten. Auf "Astray" wirkte musikalisch einiges auf mich noch nicht ganz ausbalanciert und ich hätte mir hie und da eine Band gewünscht; auf "Horror Express" klingen Musik und Texte einheitlicher, stimmiger. Das Ergebnis fällt dann auch folgerichtig noch intensiver aus, als beim Solo-Debüt. Privater kann Musik kaum klingen. [sal: @@@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

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