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[ Inhalt ]Ausgabe #579 vom ..
Rubrik Texte - lesen oder hören

Markus Zuzak "Die Bücherdiebin"

Hörbuch – Ja, mir kamen die Tränen
(6CD; Random House Audio)

Es gab mal eine Zeit, da mussten Deutsche das Land verlassen, weil sie sonst wie Vieh abgeschlachtet worden wären. Diese Zeit ist 63 Jahre her. Markus Zusak, geboren 1975 im australischen Sydney, ist Nachfahre solcher Auswanderer. Eines der vielen Erlebnisse, das ihm seine Mutter schilderte, wird er nie vergessen:
»Eines Tages gab es einen schrecklichen Lärm auf der Hauptstraße und wir rannten hin, um zu sehen, was los war. Wir sahen Juden auf dem Weg nach Dachau, ins Konzentrationslager. Ganz hinten in der Schlange ging ein alter Mann, völlig ausgemergelt, der nicht Schritt halten konnte. Als ein kleiner Junge das sah, rannte er in die Schlange und gab dem Mann ein Stück Brot. Der Mann fiel auf die Knie, küsste die Knöchel des Jungen und dankte ihm. Ein Soldat bemerkte das. Er riss dem Mann das Brot aus den Händen und peitschte ihn aus. Dann jagte er dem Jungen hinterher und peitschte auch ihn aus.« Markus Zusak erkannte in dem Erlebnis seiner Mutter: »In diesem einen Moment fielen Güte und Grausamkeit zusammen. Für mich die perfekte Geschichte, um zu zeigen, wie wir Menschen sind.«
Und so schrieb er "Die Bücherdiebin" rund um die Erzählungen seiner Eltern, die die NS-Zeit in Süddeutschland überlebten. Sein Erzähler ist der Tod, der direkt am Anfang klarstellt, dass er »keine Sense trage« und man ihn schon erkenne, wenn jeder »einfach in den Spiegel schaut«. Er, der Tod, sei »voll Güte«. Und voller Güte erzählt er von der zehnjährigen Bücherdiebin Liesel Meminger:
Liesels kleiner Bruder stirbt im 2. Weltkrieg an Entkräftung. In diesem Moment lernt der Tod sie kennen und kehrt als liebevoller Beobachter immer wieder zu ihrem Leben zurück. Liesel wird nach Molching bei München verschickt, wo der Anstreicher Hans und seine Frau Rosa Hubermann sie in Pflege nehmen. Denn Liesels richtige Eltern sind als Kommunisten verhaftet worden. Liesel hat Glück. Hans und Rosa lindern ihre Albträume, Hans spielt ihr auf dem Akkordeon vor, er bringt ihr das Lesen bei. Er liest mit ihr auch das erste Buch, das sie bei der Beerdigung ihres Bruders geklaut hat: Ein Lehrbuch für Totengräber.
Bald klopft ein junger Mann namens Max an Hubermanns Tür, ein Jude, Sohn von Hans' Kriegskamerad aus dem 1. Weltkrieg. Max wird jahrelang im Keller der Hubermanns versteckt leben. Auch er wird Teil der Familie. Liesel hält Max mit ihrem täglichen Wetterbericht und Erzählungen über ihren besten Freund Rudi bei Laune, mit dem sie bei der Bürgermeisterin regelmäßig Bücher klaut. Max weißt die Seiten von "Mein Kampf" und schreibt darauf Geschichten für Liesel. Doch eine Idylle im 2. Weltkrieg? Das gibt es nicht. Zuerst treffen sich die Molchinger regelmäßig in Luftschutzbunkern der Nachbarschaft, wo Liesel stundenlang für alle vorliest. Doch eines Nachts überraschen alliierte Bomben die Molchinger in ihren Betten, es gibt wenige Überlebende. Jahrzehnte später überreicht der Tod einer jetzt uralten Liesel in Sydney ihr Manuskript, das sie damals im ausgebombten Keller zurücklassen musste.
Ein Rezensent in der New York Times stellte fest: »Das ist eins der Bücher, die Leben verändern können«. Andere nennen "Die Bücherdiebin" »literarisches Juwel« oder »ein bewegendes Werk, das einem die Tränen in die Augen treibt«. Ich nenne es eines der packendst erzählten Bücher, die ich kenne. Und nur wenige über die Nazizeit haben mich derart berührt.
Der Schauspieler Boris Aljinovic, geboren 1967 in Berlin, liest die leicht gekürzte Version auf sechs CDs in rund acht Stunden. Ich gebe zu, dass ich seine Vortragskunst lange unterschätzt habe. Boris Aljinovic spricht den Tod. Er navigiert durch die Zeiten, er schlüpft in die Stimmen von Liesel, Rosa, Rudi, Max und manchem Nazi. Boris Aljinovic brilliert mit einer zauberhaften facettenreichen Schlichtkeit, die das Werk so staunenswert macht.
Kurz: "Die Bücherdiebin" von Markus Zuzak ist auch deine Tränen wert. [vw: @@@@@]



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