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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #575 vom 17.03.2008
Rubrik Kolumne

Peters Honky Tonkin' #18

Das Jahr 2008 lässt sich für Country hörende Musikfans sehr gut an und so kann dieses Honky Tonkin' mit einigen großen Namen aufwarten, die die damit verbundene Erwartungen erfüllen. [pb]


Rhonda Vincent "Good Thing Going"

Modern Bluegrass – herausragend gespielt und dank vieler Spielarten durchwegs abwechslungsreich
(CD; Rounder)

Nachdem Alison Krauss nun schon eine Weile einen Schritt weiter geht, ist Rhonda Vincent unbestritten die First Lady in Sachen Modern Bluegrass und "Good Thing Going" bestätigt das: Innerhalb der Genre-Grenzen, die Rhonda Vincent nicht nur mit Pop, sondern auch in Richtung Western Swing und purem Country aufweicht, bietet das Album viel gutes Songmaterial und bleibt äußerst abwechslungsreich. Allem voran ist es herausragend gespielt, soulful gesungen und bewegt sich auch dank der Gäste – von Keith Urban über Russell Moore bis Bryan Sutton – weit über dem Durchschnitt. Rhonda Vincent hält, was sie mit dem Titel verspricht: Good thing going. [pb: @@@@]


Carlene Carter "Stronger"

Country – ihr persönlichstes, aber leider kein besonders gutes Album
(CD; Yep Roc)

Es ist dreizehn Jahre her, dass wir von Carlene Carter musikalisch ernsthaft in Form ihres Albums "Little Acts Of Treason" gehört haben. Seitdem ist viel passiert: Carter war mehr mit Drogengeschichten als mit Musik in den Schlagzeilen, ihre Mutter June Carter, ihr Stiefvater Johnny Cash, ihre Schwester Rosey Carter und ihr ehemaliger Mann und Produzent Howie Epstein starben alle innerhalb weniger Monate. Nun also "Stronger", ihre vielleicht persönlichste Platte, auf der sie alle Songs selbst geschrieben und zusammen mit Multiinstrumentalist und Produzent John McFee nahezu im Alleingang eingespielt hat.
Carlene Carter bleibt eine gute Sängerin, aber die Songs sind leider oft zu gesichtslos und ohne Seele produziert. Manches ist natürlich ganz in Ordnung, aber gerade Songs wie das Titelstück stünden vielleicht einer mittelfränkischen Nachwuchscombo gut zu Gesicht, nicht jedoch Carlene Carter, die auf tolle Musiker und exzellente Songwriter zurückgreifen könnte. [pb: @@]


Amanda Shaw "Pretty Runs Out"

Country aus New Orleans – groovy, aber leider überzeugen die Songs nur zur Hälfte
(CD; Rounder)

Die Geigerin aus New Orleans und ihre Band The Cute Guys spielen alles von Jigs und Reels, Bluegrass, Cajun-Instrumentals ("McGee's Medley"), Country ("I Don't Want To Be Your Friend") bis hin zu grooviger Rockmusik ("Brick Wall"). Dabei integriert Amanda Shaw nicht nur die Violine in manch ungewohnte Umgebung, sondern überzeugt auch als Sängerin. Leider gehen ihr ab der Mitte des Albums die guten Songideen und damit die Luft aus, so dass sie und ihre Guys sich nur noch auf ihr gutes Spiel berufen können. Letzteres ist allerdings äußerst überzeugend und typisch Crescent-City-groovy, ich werde die Dame im Auge behalten. [pb: @@@]


Hayseed Dixie "No Covers"

Cover-Bluegrass ohne Coverversionen – eine Band will erwachsen werden
(CD; Cooking Vinyl)

Der Titel ist Konzept: Nachdem sich die Band mit Country-Bluegrass-Coverversionen von Rockklassikern einen guten Namen erspielt hat und sechseinhalb Jahre quasi ununterbrochen getourt ist, liefern Hayseed Dixie nun ein Album mit 14 originalen Songs. Geschrieben von Produzent John Wheeler, bedienen sich diese Lieder ohne Stiländerung auch weiterhin aus allen Schubladen der Rockmusik. Allein der Witz fehlt. Das Songwriting ist ok, die Band unglaublich eingespielt und deshalb durchaus schwungvoll, aber bei einer Musik, die sich irgendwo im Dunstkreis von Country, Bluegrass, Singer/Songwritertum und Rock bewegt, zählt eben der Song und nicht nur die Darbietung. [pb: @@]


The Steeldrivers "The Steeldrivers"

Independent-Bluegrass-Supergroup – ganz nah an der perfekten Mischung aus Bluegrass und Soul
(CD; Rounder)

The Steeldrivers klingen erwartungsgemäß frisch, spielen spritzig und sind für Bluegrass-Fans eines der Highlights des noch so jungen Jahres 2008. Warum erwartungsgemäß? Nun, hinter The Steeldrivers verbirgt sich sowas wie eine Bluegrass-Supergroup: Richard Bailey, den Mann am Banjo, fand man bislang auf Platten von Trey Anastasio, Sheryl Crow, Mick Jagger oder auch Keith Richards. Mike Henderson hat sich mit eigenen Veröffentlichungen Mitte bis Ende der 1990er längst in die Herzen der Alt-Country-Fans gespielt, die Liste der CDs, auf denen er mitwirkt, ist von Danni Leigh über John Hiatt bis hin zu Emmylou Harris endlos. Gleiches gilt für Tammy Rogers, deren Fiddle-Spiel in letzter Zeit häufig die Platten von Jim Lauderdale und Buddy Miller bereichert hat. Einzig die beiden Sänger Mike Fleming (b) und Chris Stapleton (g) sind bislang Unbekannte. Gemeinsam spielen The Steeldrivers nach eigener Angabe Bluegrass-Soul, eine Mischung, die ja viele immer wieder anstreben. Dieses Quintet kommt allerdings sehr nah dran, auch wenn Bluegrass überwiegt. Ein großes Geheimnis des Soul, nämlich nicht zu viele Noten zu spielen, haben sie allerdings beherzigt, so dass dieses Debütalbum von einer 'Guckt mal was ich kann'-Vorführung ganz weit weg ist. Unbedingt anhören! [pb: @@@@]


Jim Lauderdale "Honey Songs"

Songwriter-Country – ein weiteres ganz großes Album von Jim 'Grammy' Lauderdale
(CD; Yep Roc)

Für "Bluegrass Diaries" gerade mit einem Grammy ausgezeichnet, ist Jim Lauderdale wieder bei Singer/Songwriter-orientiertem Alt-Country angekommen. The Dream Players, eine Ansammlung von Sidemen-Superstars, tragen ihren Namen zu Recht und spielen mit traumwandlerischer Sicherheit, als hätten sie nie in anderen Bands gespielt: Der legendäre Elvis-Presley-Gitarrist James Burton an der Leadgitarre zeigt wieder einmal mit wenigen beseelten Noten seine wahre Größe. Das Rhythmus-Gespann Gary Tallent (b; Bruce Springsteens E-Street Band) und Ron Tutt (dr; Elvis Presley und Elvis Costello) liefert dazu einen entspannten, flockigen Teppich, der einerseits das Spiel von Al Perkins (pedal steel, lap steel; Flying Burrito Brothers, Manassas) und Pianist Glen D. Hardin (Merle Haggard, Elvis Presley, Roy Orbison, Dean Martin) leuchten lässt und auf der anderen Seite immer den Song im Vordergrund stehen lässt. Trotz seines immensen Outputs haben Jim Lauderdales Kompositionen eine Klasse erreicht, die keine Ausfälle mehr zulässt. Zehn neue, große Songs finden wir auf "Honey Songs", einer CD, die mit 35 Minuten Spielzeit zwar verhältnismäßig kurz ist, die aber in dieser halben Stunde die Herzen von Countryfans und solchen, die es werden wollen, ganz hoch schlagen lässt. [pb: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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