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[ Inhalt ]Ausgabe #575 vom ..
Rubrik Texte - lesen oder hören

Karl Olsberg "Das System"

Hörbuch – Von Zauberlehrlingen und künstlicher Intelligenz oder: Wie der Verstand aus dem Menschen heraus und der Geist in die Maschine hinein kam
(5CD; Audio Verlag)

»Ein bestimmtes Verhalten kann intelligent, muss jedoch nicht gleichzeitig vernünftig sein. Jemand oder Etwas könnte unabsichtlich intelligent sein bzw. sich so verhalten, aber nicht unabsichtlich vernünftig. Vernunft bedarf eines Bewusstseins.«
In Thomas Thiemeyers Invasionsroman "Magma" wird die Erde am Ende durch Vernunft und nicht durch Intelligenz gerettet, weil außerirdische Planetenumformer Ersteres als höheres Gut betrachten. Was Computer, Programme und künstliche Intelligenz betrifft, kann sich jeder in einem ruhigen Moment die Frage stellen, weshalb eigentlich Programmierer und Tüftler unbedingt Intelligenz in ihre Geräte hineinschrauben möchten, wohingegen Verstand anscheinend derzeit von niemandem geplant oder entworfen wird.
»Anfänge sind harmlos und scheinen nur neuen Komfort zu bringen. Die Fortsetzung stellt zwar keinen Einzug in die Hölle dar, aber sie ist – sofern die Hölle existiert – mit Sicherheit computerisiert.«
Ortswechsel. Hamburg. In Karl Olsbergs Roman "Das System", der nun auch als gekürzte Lesefassung auf fünf CDs vorliegt, geht es um so eine Fortsetzung bzw. Weiterentwicklung. Auch darum, wie der Verstand aus dem Menschen heraus und der Geist in die Maschine hinein kam. Der Autor, der aus der Computerbranche kommt, befasst sich mit der Frage, was geschähe, wenn die Krone der Schöpfung eines Tages die Kontrolle über die von ihm geschaffene Technik verlöre und sich mit einer dezentralen, global vernetzten, überlegenen künstlichen Intelligenz konfrontiert sähe, die sich nicht mehr abschalten lässt und eigene Prioritäten setzt. Ohne computergesteuerte Systeme und Internet geht längst nichts mehr. Die menschliche Abhängigkeit im Informationszeitalter scheint total. Die Zauberlehrlinge sind ratlos.
Mark Helius hat mit DINA eine Kommunikations-Software an der Hand, die weltweit verfügbare freie Rechnerkapazitäten bündeln und für aufwendige wissenschaftliche Simulationen nutzen kann. Etwas richtig Großes. Die Vorführung einer Produkterweiterung wird allerdings zum Desaster. Scheinbar ein Software-Fehler. Als kurz darauf sein Freund und Firmenmitbegründer Ludger Hamacher ermordet wird, gerät Helius unter Verdacht. Während er verzweifelt versucht, seine Unschuld zu beweisen, beginnen überall auf der Welt die Computer durchzudrehen und eine Milliarde Handys klingeln gleichzeitig. Helius flüchtet effekt- aber wenig sinnvoll in Hamburg herum, versteckt sich in der Lüneburger Heide (als radelnde Bäuerin mit Kopftuch) und bittet schließlich die entlassene Programmiererin Lisa Hogert um Hilfe. Beide finden heraus, dass ein inzwischen von einem Fahrstuhl ermordeter Programmierer eine abgewandelte Version von DINA entwickelt hat, die ein Eigenleben führt. PANDORA ist der erste Computerwurm der über eigene Intelligenz verfügt und inzwischen die gesamte Menschheit bedroht.
Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, rotieren die amtlichen Ermittler im Kombinier-Karussell und weichen den richtigen Fragen routiniert aus. Währenddessen schreibt Lisa Hogert ein Anti-Viren-Programm, das PANDORA überlisten soll und nach zeitintensivem Geplänkel mit herabstürzenden Flugzeugen (Japan), drohender Totalvernichtung der Menschheit durch freigesetzte Bio-Kampfstoffe (USA) bzw. Kampfsport in der Vorstandsetage (Hamburg) dies auch tut. Anscheinend. Am Ende steht eine Kapitulation aus Vernunft, die sich wie ein Happy End anfühlen soll und in Wirklichkeit nur wegen der zu erwartenden finanziellen Höhenflüge erfolgt. Die Büchse der Pandora bleibt geöffnet, weil sie so schön glitzert.
Da Menschen sind wie sie sind, begegnet man in dem gelegentlich eher hektischen als spannenden Action-Parcours mit rasch wechselnden Handlungsorten neben KI-Gurus, Cyberburglars und anderen Systemfehlern auch klischeegegelten Charakteren, flach wie LCD-Bildschirme. Olsbergs "System" kommt leider nicht aus ohne Helden mit Einzelkämpfer-Syndrom, überhebliche Polizisten, ignorante BKA-Leute, dollargesichtige Vorstandsvorsitzende, machtgierige Hacker mit Sado-Tick und andere Gegenspieler mit Besorgnis erregenden Intelligenzschwankungen.
So bleibt die aus SF-Romanen und Kinobildern zusammengetragene Geschichte an mancher Schnittstelle im eigenen Anspruch stecken, einige ihrer Figuren seltsam eindimensional. "Das System" ist aber auch ein geschickt unterhaltender Hör-Schmöker, dem es gelingt Insider-Wissen klar verständlich zu vermitteln, einige Denkanstöße zu liefern und demnächst von RTL verfilmt zu werden. "Das System" lebt, lernt, wächst, lügt, tötet. Und es wird vom ganz wunderbaren Hans-Werner Meyer ("Die andere Hälfte des Glücks", "Contergan") gelesen. Game over. [gw: @@@]



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