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[ Inhalt ]Ausgabe #564 vom ..
Rubrik Texte - lesen oder hören

Eric Clapton "Mein Leben"

Hörbuch – Clapton ist nicht Gott, Clapton ist Mensch
(5CD; Tacheles/Roof)

Als der Gitarrist, Sänger und Komponist Eric Clapton (*1945) im Frühjahr 2007 seine Autobiographie zum Druck freigibt, tut er dies in tiefer Zufriedenheit: »Die letzten zehn Jahre waren die besten meines Lebens«, so Clapton. »Ich habe eine Familie, die mich liebt, ich habe eine Vergangenheit, für die ich mich nicht mehr schämen muss und eine Zukunft, die voller Liebe und Lachen zu sein verspricht.« Einzige Probleme heute sind »fast völlige Taubheit, schwere Rückenschmerzen und Verdauungsstörungen«, notiert Clapton.
Doch vor diesen glückseligen Zeilen im Epilog hatte der 62-jährige Clapton die Kraft zu knallharten Konfessionen gefunden. Claptons schlichte, aufrichtige Art seine Bekenntnisse zu schildern, hing mir tagelang nach. Allein die Schlüsselszene in Claptons Leben:
Als kleiner Junge hört Eric den Gesprächen der Erwachsenen aufmerksam zu und kommt hinter das dunkle Familien-Geheimnis. Seine Eltern sind tatsächlich seine Großeltern. Als er am 30.3.1945 zur Welt kam, war er der uneheliche Sohn der damals 16-jährigen Patricia, die er aber nie gesehen hatte. Als Patricia überraschend zu Besuch kommt, fragt der kleine Eric, ob er sie nun 'Mutter' nennen dürfe. Stille im Raum. Patricia Clapton wehrt lächelnd ab. 'Mutter' solle er bitte weiter zu seiner Großmutter sagen. Diese schmerzhafte Zurückweisung, stellt Clapton heute fest, prägte sein weiteres Leben: In allen Beziehungen zu Frauen habe er immer wieder dasselbe Schema gesucht, nämlich die immer neue Zurückweisung. Diese harte Selbstanalyse ist nicht nur bewegend, sie lässt seine Musik in neuem Licht erscheinen: Wenn ich jetzt seinen Song "Layla" höre, schreit Clapton da nicht nur nach seiner damaligen Liebe Pattie Boyd-Harrison, da schreit auch der kleine Eric nach seiner Mutter: »Ich bin auf den Knien, ich bettle dich an«.
Nach dieser traumatischen Zurückweisung zog sich der kleine Eric von den Menschen zurück; nur der Blues gab ihm das Gefühl am Leben teilzunehmen, er linderte seinen Schmerz. Ohne jegliche Anleitung übte Eric beinahe zwanghaft auf einer schlechten 2£-Gitarre. Und er sah sich jede Menge Live-Bands an. Da erwachte Clapton schonmal vollgekotzt, ohne Geld in der Tasche am Rande eines Festivalgeländes. Die Kingston School of Art brachte Clapton Anfang der 1960er ins Zentrum der Londoner Musik-Szene. Zunächst nur als Zuschauer. Als er wegen geringer Beteiligung von der Kunstschule flog, wurde es ernst. Mit dem billigen Nachbau einer Gibson ES335 stieg er bei den Blues-Puristen The Roosters ein. Dann das Angebot bei den Yardbirds zu spielen; für Clapton zu kommerziell. Seine nächste Station, John Mayall & The Blues Breakers, brachte bereits die sagenumwobenen Graffitis 'Clapton is God' an Londoner U-Bahn-Stationen mit sich. Schließlich jammte er im Spätsommer 1966 mit Ginger Baker und Jack Bruce. Die legendären Cream feierten ihre Erfolge. Allerdings, was Clapton wurmte, im Schatten des noch innovativeren Trios, der Jimi Hendrix Experience. Auch Cream wurden Clapton zu kommerziell.
Seine wegweisenden Bands Blind Faith sowie Derek And The Dominos folgten. Der Musiker versank in diesen frühen 1970ern im Heroin- und Alkohol-Rausch. Das legendäre Konzert im Rainbow Theatre rettete den Abgeschriebenen für eine Weile. Wenig später hatte Clapton gar einen unverhofften Hit mit Bob Marleys Song "I Shot The Sheriff" und ebnete nebenbei dem Reggae den Weg.
Doch nicht die Familie, nicht die Musik, sondern der Alkohol, so schildert Clapton, habe in diesen 'verlorenen Jahren' an erster Stelle gestanden. Er schildert seinen ewig vergeblichen Kampf gegen die Sucht, die ihn bis 1987 gefangen hält. Für ihn ist es kein Zufall, dass der größte kommerzielle Durchbruch erst nach der Alkoholsucht kommt: 1989 mit "Journeyman". Doch kaum oben, trifft Clapton ein neuer Schicksalsschlag: Sein Sohn Conor stürzt im März 1991 aus einem New Yorker Hochhaus. Darauf folgt irrwitzigerweise sein bis dato größter kommerzieller Erfolg: Sein bestverkauftes Album ist das 1992 aufgenommene "Unplugged", auf dem Clapton mit "Tears In Heaven" seinem Sohn ein Lied ins Jenseits sendet, eine reizvolle Folkversion von "Layla" und viel akustischen Blues bringt – ein Clapton-Album wie es authentischer seit Derek And The Dominos nicht geklungen hat.
Clapton berappelt sich, widersteht dem Alkohol und will anderen helfen: Im Februar 1998 veranlasst er die Eröffnung des Crossroads Centre, einer eigenfinanzierten Reha-Klinik für Drogenabhängige auf der Karibik-Insel Antigua.
Im Mai 2002 heiratet Clapton die 31 Jahre jüngere Melia, die ihn in einem Restaurant in L.A. bedient und ihn um ein gemeinsames Foto gebeten hatte. Sie haben bis heute drei Töchter und leben, das erste Mal für Clapton, als Familie zusammen. Eric Clapton ist stabil, er ist wieder oben. Sogar für eine Cream-Reunion war er im Mai 2005 zu haben. Doch gibt er schon nach wenigen Tagen die Gedanken an eine längere Zusammenarbeit auf, da es »spürbar nur ums Geld geht«. Seine Tour 2006 erinnert den freudigen Clapton gar an die Zeiten von Derek And The Dominos. Doch selbst im heutigen Glück gesteht er: Nicht die Familie ist oberste Priorität, nicht seine Musik, sondern sein »Kampf gegen die eigene Alkoholsucht«.
All das trägt der mit Eric Clapton stimmverwandte Schauspieler August Zwirner im Hörbuch über fünf Stunden mit altersweiser Nonchalance vor. Auch Claptons Wunsch nicht mehr länger auf Tour zu gehen. Doch da gibt es schon neue Konzert-Termine, die über "Mein Leben" hinausweisen: Im New Yorker Madison Square Garden wird Eric Clapton mit Steve Winwood am 25., 26. und 28.2.2008 spielen. Die Proben laufen, während der Gitarrist weiter zu den anonymen Alkoholikern geht.
Und was sagt uns all das? Clapton ist nicht Gott, Clapton ist Mensch. [vw: @@@@@]



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