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[ Inhalt ]Ausgabe #567 vom ..
Rubrik Frisch aus den Archiven

Philip K. Dick / Marina Dietz "Blade Runner"

Hörspiel – Futuristischer Neon-Noir mit Menschen, Androiden, Schafen und Einhörnern (zum 80. Geburtsjahr des Autors, zum 40. des Romans und zum 25. des Films)
(CD; Hörverlag)

»Der Mensch auf der Suche nach Realität und Wahrheit, in einem nicht kontrollierbaren Universum voller Tücken und Gefahren.« So in etwa lässt sich auf den Punkt bringen, was der Amerikaner Philip K. Dick in all seinen Kurzgeschichten und Romanen behandelt hat. Die Aufmerksamkeit wird dabei stets auch auf soziale und psychologische Aspekte gelenkt, ohne auf den schwarzen Humor zu verzichten, der die depressive Seite des Autors verbirgt.
Der Ursprung von "Träumen Roboter von elektrischen Schafen?" ("Do Androids Dream Of Electric Sheep?"), später in "Blade Runner" umbenannt, geht auf Recherchen zurück, die Dick für seinen berühmten Alternativweltroman "Das Orakel vom Berge" ("The Man In The High Castle") betrieb. In Gestapo-Dokumenten über das Warschauer Ghetto stieß er auf einen Fall von Mimikry. »Ein Offizier, der äußerlich ein Mensch, aber dennoch keiner war.«
In "Blade Runner", diesem futuristischen wie solipsistischen Enigma, stehen biologischen Menschen biologische Androiden gegenüber und der Autor stellt die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Nach Dick ist dies keineswegs die Intelligenz, in der die Androiden den meisten Menschen überlegen sind, sondern die Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen. »Für Dick stellt der Android das innerlich entfremdete menschliche Wesen dar, das ein künstliches Leben lebt, weil dieses Leben ein zurückgezogenes ist und nicht in der Lage ist, Kontakt mit der wirklichen Welt aufzunehmen, der Welt menschlicher Gefühle und menschlicher Anteilnahme.« Dick bietet uns zwei Gegensätze: Mensch/Android und menschlich/unmenschlich. »Zu Beginn von "Blade Runner" sieht es so aus, als seien beide Gegensatzpaare identisch. Aber die Handlung der Geschichte zwingt beide zuerst auseinander und führt uns dann zur Schlussfolgerung, dass die erste Unterscheidung unwichtig, die zweite dagegen von grundlegender Bedeutung ist.«

Ort: San Francisco. Zeit: Zukunft. Die Welt ist hochtechnisiert, aber kleiner geworden, da sich ihre Maßstäbe verschoben haben. Eine Restgesellschaft, der all ihre vermeintlichen oder tatsächlichen Werte abhanden gekommen sind. Wer es sich leisten kann, hat sich längst in eine der Mars- oder Venus-Kolonien abgesetzt, um den vermüllten, radioaktiven, von anhaltendem Dauerregen aufgeweichten Stadtlandschaften, sowie physischem und psychischem Verfall zu entgehen. Die Hauptbeschäftigung der Hiergebliebenen besteht in der Verfolgung banaler TV-Programme, im Herbeiführen von Glücksmomenten mittels Gefühlsdrogen, in der pseudo-religiösen Gehirnwäsche durch die messianisch-mediale Sammelgestalt Wilbur Mercer, und der auf diffusen Erinnerungen beruhenden, infantilen Besitzhaltung echter bzw. geklonter Haustiere als Statussymbole.
Um den Kolonisten das Leben zu erleichtern, wurden vom Rosen-Konzern biomechanische Androiden vom Typ Nexus-5 erschaffen (im Roman: Nexus-6), die sich nur noch mit Hilfe spezieller Detektoren von Menschen unterscheiden lassen. Sechs dieser künstlichen Wesen sind verbotenerweise mit einem Raumschiff zur Erde zurückgekehrt und untergetaucht. Polizei und Kopfgeldjäger sollen die Flüchtigen und deren Anführer Roy Baty aufspüren und 'in den Ruhestand versetzen', wie man diese Eliminierungen nennt.
Rick Deckard, verheiratet, Besitzer eines elektrischen Schafes namens Graucho und nicht nur äußerlich angeschlagen, ist einer jener Kopfgeldjäger. »Was für ein Beruf. Ich bin eine Plage, wie Hunger und Pest. Wohin ich mich auch wende, immer folgt mir ein Fluch.« Er hat Schwierigkeiten mit dem neuen Job; die Bio-Androiden treten in allen möglichen Identitäten auf und selbst das Polizeirevier ist bereits von ihnen unterwandert. Zwecks Identifizierung arbeitet Deckard mit einem speziellen Empathie-Test, der die Reaktion von Verdächtigen in verschiedenen Situationen prüft. Dieser 'Voigt-Test' hat allerdings einen entscheidenden Fehler: Schizophrene oder affektgestörte Menschen reagieren auf ihn in gleicher Weise wie Androiden. Weitere Komplikationen folgen.
Nach dem 'Ausschalten' der Operndiva Lena Luft (im Roman: Luba Luft) und eines weiteren Untergetauchten, des falschen Polizeikollegen Polokov, verliebt sich der Jäger im weiteren Verlauf seiner Jagd in die großen schwarzen Augen eines Wesens namens Rachael Rosen, welches sich als Geheimwaffe des Konzerns gegen jene herausstellen wird, die dessen Produkte eliminieren wollen. Rachael stolpert im Test allerdings über eine Geldbörse aus echter Babyhaut. Deckard macht sich fortan sowohl existenzielle Gedanken über sein Weltbild, als auch über dieses androgyne Einhorn in Menschengestalt. »Künstliches Leben ist nicht viel, aber immerhin mehr als gar kein Leben.«
Ihm kommen Zweifel, ob nicht auch Androiden von elektrischen Schafen träumen, also den Menschen in ihrer Empathiefähigkeit immer ähnlicher werden. Die androidische Liebe Rachaels könnte allerdings auch eine geheuchelte sein, eine aus schierer Berechnung. Was ist Realität, was Schein? Deckard weiß es nicht. Selbst der entscheidende Lehrsatz dieser Epoche hilft ihm jetzt nicht weiter: »Du wirst das Falsche tun müssen, wo immer du auch bist. Das ist Grundbedingung des Lebens. Dass man stets wider die eigene Natur handeln muss. Jedes lebende Wesen sieht sich zu irgendeinem Zeitpunkt dazu gezwungen.«
Unterdessen haben sich zwei der Androiden in der Wohnung des allein lebenden 'Spezialfalls' J.R. Isidore einquartiert. »Man soll nie etwas einsperren, das lieber in Freiheit lebt.« Mit diesen Worten lassen die Verfolgten dort eine Eule frei. Kurz darauf spürt Deckard die Androiden Pris und Roy auf. Es gelingt ihm sie zu eliminieren. Das 'Einhorn' ist verschwunden. Am Ende bleibt offen, ob Deckard, wie Rachael auch, nicht nur ein weiteres Model des übermächtigen Konzerns war; der Eliminierungsauftrag lediglich der Fehlerfindung zwecks nachfolgender Optimierung der neuen Nexus-Produktion diente. Mit einem Knopfdruck von Iran, Ricks Frau, verklingt der aufregende Arbeitstag aus dem Leben eines Kopfgeldjägers mit Programm 67 der Stimmungsorgel: Wohlverdienter Frieden. Acht Stunden lang.

Bewundernswert, wie Marina Dietz ("Erinnerungsmechanismus", "Der Meister des Jüngsten Tages") es in diesem Schnelldurchlauf zwischen Detektiv-Flair und Endzeitstimmung schafft, dennoch fast alle wesentlichen Aspekte der Vorlage anzutippen. Die temporeiche und bisweilen sarkastische Hörspielversion von "Blade Runner" (früher: "Träumen Androiden") bleibt, im Rahmen der Möglichkeiten einer einstündigen Produktion, nahe an Philip K. Dicks Romanvorlage und lässt Sprecher wie Udo Wachtveitl (Deckard), Max Tidof (Resch), Sophie von Kessel (Rachael), Henry van Lyck (Rosen), Torsten Nindel (Roy), Michael Mendl (Bryant), Arne Elsholz (Isidore), Dorothee Hartinger (Pris) und Christiane Rossbach (Lena Luft) leuchten wie C-Beams in der Nähe des Tannhäuser Tors. Gewünscht hätte man sich allenfalls eine Umsetzung in etwas längerer Fassung. [gw: @@@@@]



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