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[ Inhalt ]Ausgabe #553 vom ..
Rubrik Texte - lesen oder hören

Kirsten Miller "Kiki Strike - Die Schattenstadt"

Hörbuch mit gekürzter Lesefassung – The Irregulars oder: Some girls are more spice than sugar
(4CD; Audio-Verlag)

Manhattan: Als Ananka Fishbein eines Morgens aufwacht und im Park auf der Straßenseite gegenüber etwas kleines weißhaariges aus einer Grube klettern sieht, weiß sie noch nicht, dass damit ein neuer Lebensabschnitt und ein großes Abenteuer beginnt. Noch in der gleichen Stunde entdeckt sie einen unterirdischen Raum mit einer Falltüre: Der Eingang zur sagenumwobenen Schattenstadt von Gotham, in der im 19. Jahrhundert unter den U-Bahn-Tunnels und Versorgungskanälen New Yorks, Gangster und Ganoven gelebt haben sollen.
Und dann taucht plötzlich ein neues Mädchen in Anankas Klasse auf: Kiki Strike. Mit eisblauen Augen und weißen Haaren macht sie einen ziemlich verwegenen Eindruck und scheint auch sonst so manches Geheimnis parat zu haben. Mit Oona Wong, Luz Lopez, Deedee Morlock und Betty Bent wählen Ananka und Kiki in kürzester Zeit weitere vier Mädchen mit außergewöhnlichen Talenten aus, die sich schließlich zur Mädchen-Detektiv-Gang 'Die Ungebetenen' formieren. Die jungen Damen ziehen entschlossen los, Licht in die Katakomben der Schattenstadt direkt unter South Street, East Village, Bowery und Chinatown zu bringen.
Some girls are more spice than sugar. "Spy Kids", "Kletter-Ida" oder die Scooby-Doo'sche Mystery AG kommen einem beim Auftakt dieser neuen Reihe für Kids & Co in den Sinn. Neben einer nicht unerheblichen Rattenpopulation, beeindruckenden Explosionen, einer Überschwemmung, ein bisschen Bankräuberei, üblen Jung-Gangstern, Entführungen en gros und Verfolgungsrennen mit Motorbooten, wartet diese rasante Abenteuer- und Detektivgeschichte auch mit einer bitterbösen Thronfolgerin, falschen und richtigen Prinzessinnen, der Chinesen-Mafia sowie jeder Menge Kleiderfragen auf. Und es geht um Pläne: die aus Rache, die aus Machthunger und die aus Papier. Letztere wollen unsere Heldinnenanwärterinnen schützen bzw. zurückerobern, geht es doch um nichts Geringeres als die verletzlichen Lebensadern des Big Apple.
Die gekürzte Lesefassung, mit der wunderbaren Linda Olsansky als Erzählerin und heimlicher siebten Kraft des unvergleichlichen Schnüfflerinnen-Sechserpacks, beginnt mit zwei furiosen ersten CD-Teilen und beeindruckender Sogwirkung. Auch trotz formatbedingter Streichungen ein erinnerungswürdiges Vergnügen. Die beiden Folgescheiben mit einigen Konfusionspartikeln leiden ein bisschen an Aktionismus und Wuselei und in der letzten Stunde lässt Kirsten Miller ihre Heldinnen schließlich so viele schwindelerregende Haken turnen, dass man zu erkennen glaubt, weshalb Kiki Strike niemals Nahrung zu sich nimmt. Auch über das vorläufige Ende hinaus bleibt es mysteriös und wir bleiben gespannt. In den USA ist nach "Inside The Shadow City" inzwischen ein zweites Abenteuer mit Kiki Strike & The Irregulars erschienen: "The Empress's Tomb".

Zeit ist Geld. Eine Art Nachtritt
Bei vielen Hörbüchern, so auch bei dieser Lesefassung, sollte dem Interessierten klar sein, dass gegenüber dem vom Autor zu Papier gebrachten Werk etwas fehlt. Im ungünstigsten Fall können das auch mal 50 Prozent sein. Vergnügen kann dies dennoch bereiten; es ist halt leider kein verdichtetes, sondern nur ein gekürztes. Ein bisschen wie "Psycho" ohne Dusche oder Batman ohne Robin. Mit anderen Worten: Wer sich ein solches Hörbuch vorlesen lässt, kennt noch lange nicht das entsprechende Buch (jene scheibenlosen Dinger mit meist hochformatig zusammengeklebten, bedruckten Zetteln zwischen zwei Pappe-Sandwiches, die bei stundenlangem Halten die Hände einschlafen lassen).
Für knapp 400 Buchseiten von "Kiki Strike - Die Schattenstadt" darf man z.B. etwa zehn Stunden Lesezeit einplanen, die sich nicht scheuen in der Hörbuch-Fassung innerhalb von fünf Stunden am Ohr vorüberzuziehen. Kunstsinnige mögen sich über die Rückkehr der Cut-Up-Technik freuen, Verschwörungstheoretiker vermuten dahinter eine Readers-Digestisierung der Welt. Dass es – aus naheliegenden Gründen – auch anders geht, zeigen die Harry-Potter-Klötze, die als Hörbücher ungekürzt erscheinen, allerdings beinahe schon wieder zu schwer für Kinderhände sind (was jedoch durch hauchdünne literarische Qualität wenigstens teilweise wieder ausgeglichen wird). [gw: @@@]



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