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[ Inhalt ]Ausgabe #522 vom ..
Rubrik Texte - lesen oder hören

Bruce Chatwin "Traumpfade"

Hörbuch – Ulrich Noethen liest freilaufende Bioliteratur
(6CD; Patmos)

Der Roman "Traumpfade" erschien 1987. Wenig später starb der Autor Bruce Chatwin (1940-1989) an Aids. Damals schreckte mich der Reiseroman ab, da um mich herum nur reisewütige Mädels aus Akademiker-Haushalten ihn vergötterten. Jetzt, zehn Jahre später, habe ich mir den Roman von Schauspieler Ulrich Noethen in acht Stunden vorlesen lassen.
Der Roman hat etwas von freilaufender Bioliteratur, im besten Sinne: Auf seiner Reise durch Australien suchte Bruce Chatwin nicht das Heute, sondern – wie ein Hippie mit journalistischem Hang – das Gestern in jedem seiner Gesprächspartner, ja im Kontinent selbst. Die "Traumpfade" hatten es Chatwin angetan. Schon im ersten Kapitel kommt er auf sie zu sprechen: "Während seiner Zeit als Lehrer hörte Arkady zum ersten Mal von dem Labyrinth unsichtbarer Wege, die sich durch ganz Australien schlängeln und die Europäern als Traumpfade oder Songlines und den Aborigines als Fußspuren der Ahnen oder Wege des Gesetzes bekannt sind."
Schöpfungsmythen der Aborigines berichten von den totemistischen Wesen, die einst über den Kontinent wanderten und singend alles benannten, was ihre Wege kreuzte. Das konnten Felsen oder Wasserlöcher sein. Und so sangen sie die Welt ins Dasein. Jeder Stamm hatte seinen eigenen Traumpfad, an dem entlang er nur Stammesangehörige traf und auf Gastfreundschaft hoffen konnte. Wer auf den Traumpfad eines anderen Stammes geriet, musste damit rechnen getötet zu werden, erfuhr Chatwin. Traumpfade kollidieren nicht selten mit Eisenbahnlinien oder verliefen direkt durch Häuser der westeuropäischen Einwanderer. Schon waren also Teile der 'unsichtbaren Landkarte' Australiens zerstört, die über die Jahrtausende nur durch Gesang überliefert wurde. Die vielleicht älteste Kultur der Menschheit!
Chatwin, der die Reise durch Zentralaustralien gemeinsam mit Salman Rushdie machte, bleibt den Traumpfaden auf der Spur und trifft skurrile Menschen, beschreibt breit die atemberaubenden Landschaften, durch die er wandelt, und erinnert sich – wie auf einem persönlichen Traumpfad – seiner Vergangenheit. Und wir sind dabei. Ein grandioses Buch. Ein grandioses Hörbuch.
Übrigens bereiste Zeit-Autor Werner Bloch vor einigen Jahren einen Teil von Chatwins Route und traf auf ziemlich verärgerte Ureinwohner: "Wir nehmen es Chatwin übel, dass er zu viel geplaudert hat. [...] Er beschreibt ausführlich bestimmte Männlichkeitsriten. Dafür hätte er nach dem Recht der Aborigines getötet werden können." [vw: @@@@]



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