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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #454 vom 19.09.2005
Rubrik Kolumne

Sal's Prog Corner #48

Derweil der Sommer sich nun wohl für dieses Jahr verabschiedet und der Herbst langsam Einkehr hält, bereitet sich die Progszene auf ihre Hoch-Zeit vor. Traditionell erscheinen im Herbst die meisten Alben. Die heutige Auswahl für die Prog Corner mit ausschließlich überdurchschnittlichen Neuveröffentlichungen, soll durch den sonst unübersichtlichen Berg an Neuerscheinungen geleiten.
Einmal mehr wünsche ich viel Spaß beim Lesen & keep on proggin'. [sal]


Discipline "Live 1995"

Quelle: http://www.justforkicks.de

Prog – Live-Dokument einer zu Unrecht vergessenen Band
(DVD; Strung Out)

In den 1990er Jahren galten Discipline als legitime Erben der großen Bands des Progressive Rock der 1970er Jahre: Genesis und Van Der Graaf Generator. Ihre komplexen und verschachtelten Kompositionen ließen Fachleute anerkennend mit der Zunge schnalzen. Dennoch schaffte die US-amerikanische Formation um den Sänger und Multiinstrumentalisten Matthew Parmenter den Durchbruch nie und verschwand (wie so viele andere talentierte Bands der Szene) irgendwann. Parmenter selbst meldete sich letztes Jahr dann mit dem Solo-Album "Astray" zurück.
Quasi als Aufarbeitung dieser erfolglosen, aber eben doch bemerkenswerten Vergangenheit erscheint nun auf DVD ein kompletter Konzertmitschnitt aus dem Jahre 1995 samt zusätzlichen Bonus-Aufnahmen aus den Jahren 1988-1998. Die Bilder sind eher dürftig (ein lokaler TV-Sender aus Michigan schnitt mit), der Sound zumindest für die Zeit und die Aufnahmebedingungen akzeptabel. Dennoch ist diese Archiv-Veröffentlichung ein Highlight für den Progressive-Rock-Fan, allein schon wegen Matthew Parmenters charismatischer Bühnenpräsenz. Sicher, seine ständigen Kostümwechsel sind nicht jedermanns Sache und wirken heute (wie wohl schon damals) aufgesetzt, trotzdem ist die Ausdrucksstärke seiner Vocals und die Qualität der Songs so überragend, dass diese DVD aus der Vielzahl der DVD-Veröffentlichungen des Jahres hervorsticht. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Opeth "Ghost Reveries"

Progressive Death-Metal – Die Rückkehr der gloriosen Schweden
(CD; Roadrunner)

Nicht alle Fans der Death-Metal Pioniere Opeth waren mit den letzten Outputs der Band zufrieden. Zwar wurde die allmähliche Hinwendung zu komplexeren, progressiveren Klängen durchaus begrüßt, doch ging die Band um Mastermind Mikael Akerfeldt vor allem auf dem letzten Album "Damnation" zu weit, klang es doch deutlich mehr nach Porcupine Tree oder gar nach Pink Floyd.
Auf "Ghost Reveries" berufen sich Opeth nun wieder mehr auf ihre metallischen Ursprünge, wobei sie eine geschickte Kombination aus eher ruhigen, progressiveren Passagen und Death-Metal wählen. Das Ergebnis ist wohl die ausgewogenste Scheibe der schwedischen Formation, die zwar immer noch Death-Metal (und auch Progressive Rock) Puristen nicht überzeugen können wird, aufgeschlossene Fans beider Lager aber miteinander versöhnen kann. Opeth belegen, dass Death-Metal mehr sein kann, als trübsinniger Lärm und Progressive Rock mehr sein kann, als langweiliges, selbstverliebtes Gedudel. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Nekropolis 23 "Tidal Shift"

Quelle: http://www.nekropolis-23.de

Krautrock – Die Krautrocker aus der Totenstadt sind wieder da
(DVD; Nekropolis)

Schon 2003 beeindruckte mich die Münchener Krautrockformation Nekropolis 23 mit einem herrlich altmodisch improvisierten Krautrock-Album erster Güteklasse. Für ihre erste DVD "Tidal Shift" hat das Quartett Chris Karrer, Gitarrist und Violinist der legendären Amon Düül II, eingeladen, der sich hervorragend einfügt. Auffällig ist, dass Nekropolis 23 die Tracklist dieses Mal deutlich variabler gehalten haben: Druckvoll oder düster, jazzig oder rockig – auf "Tidal Shift" ist für jeden Gusto exquisites dabei, die Abwechslung macht's. Sehenswert auch der experimentelle Film "Seelenwanderung" in der Bonus-Sektion der DVD mit stimmungsvollem Soundtrack.
Nein, Nekropolis 23 ist und bleibt nicht Musik für Jedermann. Wer aber ein Faible für den düsteren, technisch anspruchsvollen Krautrock der 1970er Jahre hat und wem die alten Haudegen der Szene mittlerweile ein wenig blutleer vorkommen, der sollte sich unbedingt mit dieser Band beschäftigen. Ein wenig abseits der Szene mausern sich Nekropolis 23 zu einer festen Größe in der improvisierten Rockmusik. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Carptree "Man Made Machine"

Artpop/Neoprog – Der dritte Streich der sympathischen Schweden
(CD; InsideOut)

Ihr zweites, ganz vorzügliches Album "Superhero" verlegte das schwedische Neoprog-Duo Carptree noch in Heimarbeit selbst. Mittlerweile sind die beiden Schweden beim wichtigsten Prog-Label InsideOut gelandet und legen nur zwei Jahre später mit "Man Made Machine" einen wahrlich würdigen Nachfolger vor.
Wieder einmal bestechen Sänger Niclas Flinck (der klanglich sehr nah an den jungen Peter Gabriel und den frühen Fish von Marillion kommt) und Multiinstrumentalist Carl Westholm durch mitreißende, hochmelodische und vor allem stark ohrwurmhafte Songs. Erfreulich dabei, dass die Arrangements dieses Mal insgesamt noch orchestraler, noch wuchtiger, noch bombastischer ausgefallen sind, sie aber immer noch die bandtypische ironische Leichtigkeit besitzen.
Ich bin wahrlich kein Freund des typischen Neoprog-Sounds, der mir oft viel zu keyboardlastig und zu 'leicht' ist. Der besonderen Magie Carptrees kann ich mich auch auf ihrem dritten und bislang bestem Album dennoch nicht entziehen. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


The Underground Railroad "The Origin Of Consciousness"

Progressive Rock – Anspruchsvolle, verschachtelte Retro-Sounds mit JazRock-Attitüde
(CD; Long, Dark Music)

Nach ihrem 2000er Debüt "Through And Through" galten The Underground Railroad aus Fort Worth, Texas, ein wenig als die neuen Echolyn. Auch wenn die alten Echolyn keinen Nachfolger brauchen (s. Rezension in kommender Prog Corner-Ausgabe), so ist der Vergleich mit der Band aus West Point, Pa., nicht ganz von der Hand zu weisen. Ihre Musik war schon auf dem Debüt-Album ähnlich komplex und verschachtelt und ist es auf dem nun auch in Deutschland erhältlichen Nachfolger "The Origin Of Consciousness" noch ein wenig mehr. Allerdings ergänzen The Underground Railroad die RetroProg-Sounds durch einen nicht unerheblichen jazzrockigen Anteil. Vor allem die großartige Gitarre Bill Pohls erinnert stellenweise deutlich an den JazzRock-Meister Allan Holdsworth höchstpersönlich. Das Ergebnis klingt nun keineswegs wie ein Abklatsch der großen Echolyn, sondern wie eigenständiger, intelligenter und erwachsener, bewusst gegen den Strich gespielter Progressive Rock. [sal: @@@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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