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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #405 vom 27.09.2004
Rubrik Kolumne

Sal's Prog Corner #38

Der Herbst ist da und mit ihm ein ganzer Batzen höchst unterschiedlicher Releases aus dem Sektor Progressive Rock. Die Auswahl der Alben fiel dieses Mal besonders schwer, zumal schon weitere Veröffentlichungen anstehen und somit auch bald schon die nächste Prog Corner fällig sein wird. Doch alles hübsch der Reihe nach – hier erst einmal ein Sammelsurium von Releases der letzten Wochen.


Fripp & Eno "The Equatorial Stars"

Ambient – Die Altmeister der Soundscapes mit neuem Album
(CD; Opal)

Wenn Robert Fripp und Brian Eno im Jahre 2004 ein Soundscapes-Album veröffentlichen, dann ist man ob der Pionierleistungen der beiden geneigt, noch einmal Großes zu erwarten, doch nehmen wir es gleich vorweg: Solch einem Anspruch kann "The Equatorial Stars" nicht gerecht werden. Dies mag vor allem daran liegen, dass wenig Innovationspotential in dieser Art von Musik steckt, aber vielleicht auch daran, dass zu wenig Bewegung in diesem Album selbst steckt.
"The Equatorial Stars" ist wohl ganz bewusst konservativ gehalten, revolutionär neue Klangexperimente überlassen Fripp & Eno anderen. Was bleibt sind gediegene, tragende Klangskulpturen, die mir en gros ein wenig zu verhalten, zu vage daherkommen. Sicher, Soundscapes sollen Raum schaffen für die Imagination des Hörers, doch auf der Sternenkarte, die hier nachgezeichnet wird, bleibt mir vieles zu unscharf. Interessant und enchanting wird die Musik immer nur dann, wenn einer der beiden mutiger als Solist hervortritt und mehr als nur ein zaghaftes Thema andeutet.
Schön, aber nichts, was an die beiden ersten Alben aus den 1970ern "No Pussyfooting" und "Evening Star" heranreicht. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Trigon "Herzberg 2004"

Psychedelic – Die Karlsruher Truppe legt ihr Bravourstück vor
(CD; Eigenvertrieb)

Rainer und Stefan Lange (g und b), Timi Lozanovski (dr) und Udo Gerhards (keys, auch bei Nekropolis 23) sind mittlerweile auf der Bühne eine druckvolle und homogene Einheit und genau dies hört man auf diesem Album. Alle Songs kommen in ihren definitiv besten Fassungen daher. Ihr stark psychedelisch improvisierter Rock vom feinsten ist brachial, laut, wahnsinnig, manchmal sogar Kunst, manchmal sogar wirklich (HeavyZen)-Jazz.
Als i-Tüpfelchen spielt der Trompeter Nick Lieto (Frogg Café) auf gerade mal zwei Stücken mit, doch alleine diese beiden Tracks würden den Kauf der Scheibe rechtfertigen. Doch halt, nicht missverstehen: Auch ohne diese Guest Appearance ist das ganze Album ein Kracher.
Die CD ist auf der Band-Website bestellbar. Auf weiteren zwei Websites gibt es unzählige andere Trigon-Alben zum freien Download. Eine Fundgrube. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Threshold "Subsurface"

ProgMetal – Bewährtes von der populären Formation
(CD; InsideOut)

Man hat sich schon daran gewöhnt, dass die britische Formation Threshold zumindest solide Alben abliefert. Hymnisch ausgelegter ProgMetal mit atmosphärischen Keyboards und satten Vocals, das ist stets ihr Ding gewesen und so ist es auch auf "Subsurface", das ein wenig wie die Quintessenz ihrer letzten beiden Studioalben "Critical Mass" und "Hypothetical" klingt. Ein starker hymnischer Opener mit "Mission Profile" (Mitsingen und Headbangen inklusive), weitere starke Tracks, wie "Pressure" (schön riffig gespielte Gitarre) oder "Ground Control", aber vielleicht auch das eine oder andere nicht ganz so Wohlgelungene, vor allem das zu lang geratene "The Art Of Reason", machen aus "Subsurface" nicht unbedingt das Meisterstück der Band, aber auch beileibe keinen Ausfall. Eine mehr als solide Arbeit, wie immer. [sal: @@@]


Grobschnitt "The History Of Solar Music, Vol.5"

Krautrock/Progressive Rock – Große Rockgeschichte aus Deutschland, Teil 5
(2CD; Wolkenreise)

Der fünfte Teil der großen Archiv-Reihe der "History of Solar Music" featured Aufnahmen von 1975 und 1983. Wie bei allen vorangegangenen Releases ist es auch hier absolut faszinierend, wie abwechslungsreich und jedes Mal neu ein und dasselbe Stück daherkommen kann.
Musikalisch hat Eroc, der für diese Edition ja verantwortlich zeichnet, auch dieses Mal absolute Schmankerln herausgepickt. Jedoch anders als bei den vorangegangenen Veröffentlichungen ließ sich eine Minderung der Klangqualität nicht vermeiden. Den Grobschnitt-Fan sollte das nicht schrecken. Einsteiger sollten vielleicht auf andere Folgen der Reihe zurückgreifen oder auf das großartige "Illegal Live". [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


The Flower Kings "Adam & Eve"

Progressive Rock – Die Lieblinge der Szene zeigen Abnutzungserscheinungen
(CD; InsideOut)

Es mag damit zu tun haben, dass Roine Stolt, der Chef der schwedischen Flower Kings, gleichzeitig auch ein Hansdampf in allen Gassen ist, und bei allen möglichen Projekten (The Tangent, Kaipa, Karmakanic usw.) mitmischt. Es mag auch daran liegen, dass sich das Konzept der Flower Kings zumindest bei mir als Hörer (sogar als Fan) abgenutzt hat, denn auf dem neuen Album der 'Blumenkönige' finde ich nichts von dem Mut, der sie noch auf dem letzten Studioalbum "Unfold The Future" auszeichnete. Dafür vieles von der Selbstkopie, die schon einmal ein Album ("The Rainmaker") zur Stangenware degradierte. Dazu kommen noch einige weitere wirklich schwer bekömmliche Ingredientien, die "Adam & Eve" zum fadesten aller Flower Kings Alben machen: das sich ständig wiederholende Songwriting mit viel zu viel 70er-Jahre-Yes-Feeling, die sich selbst reproduzierenden, vordringenden Bassriffs, vor allem aber der aufdringliche Gesang Hasse Fröbergs, der den Flower Kings jenen Melodic Rock Touch verpasst, der ihnen gar nicht gut zu Gesicht steht, ganz garstig auf "Starlight Man". Erschreckend wenig Licht, viel Schatten. Kein Meisterwerk, ja selbst solides Handwerk auch nur im Durchschnitt. [sal: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Univers Zéro "Implosion"

Avantgarde – Düstere belgische Avantgarde-Kammermusik
(CD; Cuneiform)

Kaum eine andere Band im großen Feld des sogenannten Progressive Rock macht düsterere Musik als die Belgier von Univers Zéro um den Drummer, Keyboarder, Komponisten und Arrangeur Daniel Denis.
Auch auf ihrem neunten Album "Implosion" überzeugen die Belgier mit ihrer perfekt arrangierten Musik. Der hohe kammermusikalische Anteil (allein das riesige Instrumentarium weist schon in diese Richtung), die nicht-linearen Kompositionen, Percussion als melodie-führende Instanz(!), dies alles bestätigt die alte Weisheit 'Belgier sind anders' und macht ihre Musik fast unbeschreiblich für den Rezensenten (eine Sünde, so etwas in ein Review schreiben zu müssen...).
Obacht! Univers Zéro sind keine Rockband, niemand erwarte hier wirklich irgendetwas, das auch nur ein wenig nach gängigen Rock-Klischees klingt. Etiketten sind eh' immer Schwindel, aber bei Denis und seiner Truppe ist quasi nichts (mehr) von diesem Genre übrig. Sie bewegen sich auf Rock-Traditionen wie auf anderen weiten Feldern der Musik, der Kammermusik, Theater- oder Filmmusik oder bisweilen sogar mittelalterlicher Musik. Dabei extrahieren und abstrahieren Univers Zéro so stark, dass die einzelnen Quellen nicht mehr direkt nachvollziehbar bleiben und das Ergebnis neu und unverwechselbar klingt. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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