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[ Inhalt ]Ausgabe #315 vom ..
Rubrik Neu erschienen

Franz Josef Degenhardt "Quantensprung"

Politische Liedermacher – wozu? Oder: Väterchen Franz – die alten Konturen im neuen Jahrtausend
(CD; Koch Universal)

In welchen Zeiten leben wir? Väterchen Franz, der war in den 1970ern schon eine Ikone für uns 'Jung-Alternative'. Kaum eine DKP-beeinflusste Kundgebung ohne "Spiel nicht mit den Schmuddelkindern" oder "Wenn der Senator erzählt", Gesellschaftskritik aus linkem Blickwinkel, schlagworthaft, bissig, ja-so-isses. Die real existierende Politik hat die Splittergruppen aufgesogen. Degenhardt hat dann nur noch Lieder von Brassens gesungen, mit Wehmut, weil es anderswo in Europa einen alltäglichen normalbürgerlichen Antifaschismus und eine selbstverständliche kommunistische Partei gab, aber in Deutschland nicht.
"Quantensprung" versucht, die neue Zeit zu verstehen und in Lieder zu dichten. Das geht für Degenhardt nur noch mit einer gehörigen Portion Zynismus. Damit deutet er an, dass er sich in 'unserem Land' der verbürgerlichten Mitte und des Konsumismus nicht immer ganz wohl fühlen kann. Man versteht ihn immer weniger, die alten Freunde haben sich längst gewendet, sind UnternehmensberaterInnen und beäugen ihn argwöhnisch. "In der Glitzerpassage" führt uns so ein Gespräch vor, man redet klassisch aneinander vorbei. Das Opus Magnum, 16 Minuten lang, ist eine gesungene Interpretation eines Spitzweg-Bildes, "Jugendfreunde". Ihr wisst schon, der widerborstpinselig-genaue Karikaturist der bürgerlichen Idyllen... ein gefundenes Thema für Degenhardt: die Ableitung der Gleichungen mit zwei Unbekannten sozusagen. Einstiger politischer Anspruch und Aktivismus gegen heutige Sattheit und Unlust auf Kampf und Disput. Großes Lied. Sogar mit Dylan-Zitat am Schluss. Altlinken-Nostalgie.
Die Geschichtelchen zuvor, die sind mir allerdings zu konstruiert, zu verkrampft, um ein zweites Hören zu überstehen. Wenn er Klassiker bringt, wie die "Kirschenzeit" der Pariser Kommune, fällt auf, dass beispielsweise Biermann noch den Versuch einer historisierenden Interpretation wagte, wo Degenhardt schon die altersbittere Nostalgie gepackt hat.
Es bleibt der zwiespältige Eindruck, daß weder der Politik noch dem Liedermacher noch wirkliche Quantensprünge gelingen. Und dass die Wehmut darüber sich allzu schnell erschöpft. [www: @@]



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