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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #311 vom 16.09.2002
Rubrik Feature

Sal's Prog Corner #22

Die Sommerpause ist vorüber und fast alle Bands, die in der Szene Rang und Namen haben, haben in den letzten Wochen ein neues Album auf den Markt gebracht oder werden dies alsbald tun. Kümmern wir uns in dieser Ausgabe also um die 'großen' Namen in der Prog-Szene, ergänzt durch ein interessantes Re-Release aus deutschen Landen – weitere Neuerscheinungen der letzten Wochen folgen in Kürze. [sal]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Spock's Beard "Snow"

Die beliebteste Band der Szene präsentiert ihr erstes Konzeptalbum –
(2CD; InsideOut)

Spätestens nach "The Lamb Lies Down On Broadway" von Genesis, haben Doppelalben bei den progressiven Rockern etwas ehrerbietendes. Wer sich wie die Bärte explizit auf die Ikonen der siebziger Jahre bezieht, kommt vielleicht gar nicht umhin, im Laufe der Jahre auch ein Konzeptalbum abzuliefern, natürlich schön brav auf zwei Scheiben ausgebreitet. Das kann leicht gekünstelt wirken.
So gesehen ist "Snow" nicht einmal der schlechteste Versuch, der epischen Musik eine epische Geschichte hinzu zu fügen, auch wenn der Plot etwas platt wirkt (Außenseiter mit göttlicher Gabe verbessert die Welt, zerbricht an der Liebe und wird durch seine Freunde gerettet) und auch wenn das Album einige Längen hat und musikalisch letzten Endes wenig Neues bietet; obwohl zum ersten Mal auch andere Bandmitglieder als Mastermind Neal Morse mitschreiben durften.
Epochal ist das Album allerdings nicht, richtungsweisend schon gar nicht: "Snow" ist – Konzept hin oder her – nur ein weiteres Album der Amerikaner; die Fans in der Szene werden es lieben und wie immer wird es den Vulkaniern gelingen, durch das Album neue Fans zu gewinnen.
Für die Fans der Band gibt es "Snow" auch in einer 3-CD-Box, die eine Bonus-CD enthält, auf der sich neben einigen mehr oder minder gelungenen akustischen Versionen alter und neuer Songs auch eine Coverversion des Yes-Klassikers "South Side Of The Sky" befindet. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Enchant "Blink Of An Eye"

Großartiger Sänger, klasse Riffs, schöne Melodien: Die neue Enchant ist da
(CD; InsideOut)

Die "kleinen" Enchant sind eine richtig große Band in der Szene geworden. Ihre mit Gitarrenriffs durchsetzte, härtere und doch so melodiebetonte Musik kommt bei den Fans gut an, die unverkennbare Stimme des charismatischen Sängers Ted Leonard trägt ein Übriges bei. So haben es die Jungs geschafft, sich mit jedem Album eine breitere Fan-Gemeinde zu erspielen, gerade hier in Europa.
Auf ihrem neuesten Longplayer "Blink Of An Eye" machen sie dort weiter, wo sie auf dem Vorgänger "Juggling 9 Or Dropping 10" oder auf meinem Lieblingsalbum "Break" aufgehört haben: Weg von den unnötigen Längen, mehr Rockelemente, vor allem weg von den Klischees.
Wer nach "Blink Of An Eye" Appetit auf mehr Enchant bekommen hat, der darf sich über die Re-Releases ihrer frühen Album freuen, allesamt mit überarbeitetem Artwork, interessanten Liner Notes und Bonus Tracks. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Threshold "Critical Mass"

Progressive Metal goes Rock
(CD; InsideOut)

Nach ihrem letzten Longplayer "Hypothetical" setzen die Briten von Threshold auf ihrem sechsten Studioalbum "Critical Mass" ihren Weg fort, jenseits der Klischees der Prog-Szene einen neuen Sound für härtere Töne zu erfinden.
Noch ausgeprägter sind nun die melodischen Komponenten ihrer Musik, dazu fügen sie neue Sounds in ihre Musik ein und distanzieren sich immer mehr von Dream Theater, den Übervätern des Progressive Metal, von denen es wahrlich mehr als genug mäßige Imitatoren gibt. Trotzdem könnte ausgerechnet für Dream Theater-Fans diese Scheibe sehr interessant sein, beinhaltet sie doch letzten Endes genau das, was sie an "ihrer" Band lieben – komplexe, harte Töne auf einem technisch irrsinnigem Niveau.
Wenn Threshold den manchmal allzu klinischen Drumsound und die bisweilen zu dominanten Keyboards korrigieren, könnten sie noch deutlichere Akzente in der Szene setzen; die Band ist jedoch ohne Zweifel auf dem richtigen Weg und wesentlich bessere Releases im Progressive Metal hat es dieses Jahr auch nicht gegeben. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Deus Ex Machina "Cinque"

Spektakulärer Progressive Rock aus Italien
(CD; Cuneiform)

Fernab der Mainstream-Szene, die ich auch immer wieder in dieser Prog-Corner bespreche, gibt es Bands, die sich einen feuchten Dreck um das kümmern, was der gemeine "Proggy" als seine Musik definiert. Das italienische Sextett Deus Ex Machina gehört mit Sicherheit in die vorderste Reihe dieser Bands (ähnlich wie die belgischen Non-Konformisten von Present oder Univers Zéro).
Deus Ex Machinas begeisternde Mischung aus progressiven Elementen (jedoch nicht die üblichen Genesis- und Yes-Ingredientien, vielmehr vertracktere Italo-Einflüsse von Bands wie Banco und vor allem Area) mit Jazz-Rock-Fusion ist alles andere als leichte Kost, aber eben irrsinnig cool. Der sardisch-stämmige Sänger Alberto Piras experimentiert in seinen Gesangslinien mit seiner Stimme, so wie vielleicht nur Tim Buckley und Demetrio Stratos (Area) es bisher gewagt haben, die zum Großteil auf Latein (!) gesungenen Texte tragen ihr übriges zum intellektuellen Charakter dieser Band bei. Dass das Album trotzdem in gewisser Weise rockt, swingt und bluest, ist ein großes Verdienst dieser vielleicht derzeit außergewöhnlichsten Band aus Italien. Ein absoluter Höhepunkt des Jahres und bestimmt kein Album, dass sich nach ein paar Mal Hören abnutzt. [sal: @@@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Anyone's Daughter "Piktors Verwandlungen"

Klassiker der deutschen Proghistorie – 1981
(CD; Deshima)

Als 1981 das Anyone's Daughter-Album "Piktors Verwandlungen" erschien, eine musikalische Adaption des Hesse-Märchens, waren die Befürchtungen der damaligen Plattenfirma Intercord groß, einen beispiellosen Flop zu landen. Doch es sollte alles anders kommen, 50000 Alben wurden damals verkauft, eine quasi unvorstellbare Zahl bei einer Progressive-Rock-Band aus Südwestdeutschland, dazu noch inmitten der New Wave-Ära.
Das Erfolgsgeheimnis lag freilich wie immer bei den Fans, diese hatten "Piktors Verwandlungen" bei unzähligen Live-Auftritten seit 1976 gehört, jene stimmungsvolle, poetische Musik, die von Rezitativen durchsetzt (der Originaltext wurde nur leicht gekürzt) eine ganz besondere Magie ausstrahlte: Man bedenke die Zeit, man bedenke die musikalischen Gewohnheiten der 70er Jahre.
Das Album wurde dann im Januar 1981 bei einem Live-Konzert mitgeschnitten, vom großen Conny Plank einige Wochen später abgemischt, der Rest ist deutsche Rockgeschichte. Nun liegt dieser Meilenstein des deutschen Prog mit entstaubtem Sound und neuem Artwork vor und ich kann mir gut vorstellen, dass einige nun leicht ergraute Melancholiker jener Jahre das Album wiederentdecken werden – lohnen tut es sich allemal, auch für jene (wie mich), die Anyone's Daughter und ihr Output erst viel später kennen lernen sollten. [sal: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

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