#294 vom 13.05.2002
Rubrik Neu erschienen
Barb Jungr "Every Grain Of Sand"
Chansonnette und Dylan – ein Experiment ohne Knalleffekt
(CD; Linn)
Dieses Album habe die Sängerin aufnehmen müssen, erzählt sie treuherzig im Begleittext, weil ihr eine innere Stimme zugeraunt habe: "Du musst Bob Dylans Songs singen!" Da kannte sie allerdings erst ganze zwei davon. Im eifrigen Crash-Kurs hat sie tatsächlich 15 Stücke erlernt, die uns in kleiner Besetzung dargeboten werden. Piano, akustischer Bass, Violine, Cello, Akkordeon. Neben den üblichen Schmachtfetzen ("I'll Be Your Baby Tonight", "If Not For You") finden sich brandneue Sachen wie "Things Have Changed" und "Sugar Babe". Wobei aus dem ersteren ein Bar-Jazz-Stück mit Stehgeiger und Akkordeon wird, das hat schon was. "Born In Time" kommt als hüpfendes Tänzchen, niedlich. Das eigentlich düster-atmosphärische "Not Dark Yet" wird aber zu einem oberflächlichen Reisebericht durch den nachmittäglichen Hyde Park.
Barb Junger singt zu clean, zu einstudiert "dylanisch". Der zweite Fehler ist, dass sie sich zu gerne selbst im Chor singen hört. Und drittens stört, dass sie die Texte unbearbeitet lässt: "I fell in love with the first woman I met...", na ja. Der HiFi-Klang ist natürlich Linn-typisch perfektest, HDCD und so weiter.
Wir müssen leider anmerken, daß nicht jede innere Stimme tatsächlich zum Besten gereicht. Wenn im Experiment nicht alle Bedingungen zusammen passen, bleibt der Knalleffekt aus. So auch hier. [www: @@]
@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight
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