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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #286 vom 18.03.2002
Rubrik Feature

Peter's Honky Tonkin' #5

Der Sommer kommt. Irgendwann. Auf alle Fälle ist er die beste Zeit, um entspannt rootsige Musiken zu genießen. Um euch schon mal einzustimmen, gibt es wieder eine kleine Auswahl, die es lohnt zu hören und dabei sind auch ein paar echte Perlen zu entdecken. [pb]


Elvis Presley "The Country Side Of Elvis"

Country-Rockabilly-Pop – Nicht unbedingt die beste Seite des King
(2CD; RCA)

Diese Doppel-CD umfasst annähernd den kompletten "Country"-Output von Elvis. Immer schon hat Presley mit der Mutter dieses Zwitters Rock'n'Roll geflirtet und von Anfang an Country-Songs eingespielt – von Bill Monroes "Blue Moon Of Kentucky" (1954) über seine sehr schöne Version von Hank Snows "I'm Moving On" (1969) bis Joe Allisons "He'll Have To Go" (1976). Aber Elvis' große Liebe war erst der Rock'n'Roll und später der perfekt interpretierte Popsong im Las Vegas-Style, und so haben ein großer Teil dieser 51 Tracks weder etwas mit Hank W. noch mit Johnny C. gemeinsam. Sie bleiben auf einer Elvis-Skala sogar eher im unteren Drittel, seine großen Taten sahen anders aus. "The Country Side Of Elvis" ist eine nette Zusammenstellung mit relativ wenig Höhepunkten, aber immerhin gewohnt schönen Linernotes von Colin Escott. Harte Fans des Kings werden auch diese Seite brauchen, für alle anderen gibt es schönere Compilations. [pb: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Bastard Sons Of Johnny Cash "Walk Alone"

Traditional Country – Sehr traditionsbewusst aber wenig überraschend
(CD; Ultimatum)

Bastard Sons Of Johnny Cash haben mit ihrem jetzt wiederveröffentlichten Debüt-Album eine sehr schöne, aufregend groovige Countryplatte veröffentlicht. Die beiden Coverversionen – je ein Song von Dale Watson und Merle Haggard – runden die Eigenkompsitionen ab und machen auch klar wo der staubige Weg hinführt: Echte Honkers mit all den nötigen Ingredienzen wie Pedal Steel, 8-string-Bass und einer sehr schmeichelnden Bariton-Stimme. Ja, diese Söhne sind so traditionsbewusst, dass ich mir manchmal nicht mal mehr sicher war, ob es sich bei "Walk Alone" nicht etwa um eine Parodie handelt. Leider bleibt das Album aber immer durchschaubar, große Überraschungen erleben wir nicht. So ist "Walk Alone" zwar vielleicht die richtige Platte für diesen Sommer, bis zum nächsten ist mit Sicherheit bereits ein mindestens vergleichbares Debüt erschienen. Schade, gerade von einer Band mit diesem Namen hätte ich mir ein bisschen mehr Biss erwartet. [pb: @@@]


Alan Jackson "Drive"

Mainstream-Country – Zu glatt, aber der beste auf der Hauptstraße
(CD; Arista)

In der Nashville-Szene ist Jackson wahrscheinlich derjenige, dessen Alben noch am echtesten sind. Die tolle Mandolinen-Arbeit von Stuart Duncan zieht sich durch das komplette Werk und auch Jacksons Songwriting hat über Strecken echte Klasse, so dass seine Songs mit Sicherheit zu denen gehören, die man gerne hört auf "Double-U-Wir-spielen-nur-echte-Rednecks" und bei einer Fahrt durch amerikanische Weiten hört. Aber um es allen Recht zu machen, haben Alan Jackson und seine Crew um Produzent Keith Stegall "Drive" zu sehr poliert. So schaffte Jackson zwar den Einstieg auf Platz 1 der Charts, aber mir ist das Album zu glatt, um wirklich zu berühren. [pb: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Scott McClatchy "Redemption"

Roots-Rock – Griffiger, typischer Ostküsten-Rock
(CD; Lib)

Der Osten der Vereinigten Staaten ist für amerikanische Verhältnisse dicht besiedelt. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass Roots-Rock von der Ostküste immer ein bisschen rockiger, ja vielleicht sogar bissiger ist. In jedem Fall aber ist er immer ein bisschen weniger "ländlich". Ryan Adams hört man seinen Wohnort New York weit öfters als nur im gleichnamigen Song an und selbst die folkloristischsten Songs eines Bruce Springsteen klingen weit mehr nach Chevy als nach Kutsche. Genau in diese Riege reiht sich nun Scott McClatchy ein. Gute Songs, knackig und einfach gespielt, hie und da mal eine Fiddle, aber alles in allem eher Springsteen als Williams (Hank, natürlich). Die Songs sind so catchy, dass man meint sie schon oft gehört zu haben, "Redemption" funktioniert sofort. Leider konnte McClatchy trotz Gästen wie u.a. Dion DiMucci sein Album nicht bei einer größeren Plattenfirma unterbringen; nur in den Staaten independent veröffentlicht bleibt uns Europäern wieder nur das Web. Dabei könnte "Redemption" mit einer ähnlichen Publicity, wie Ryan Adams sie bekommen hat, durchaus einige Menschen erreichen. [pb: @@@]


Mark Insley "Tuscon"

Alternative-Country – Ein Muss für Americana Freunde
(CD; Rustic)

Dieses Album solltet ihr euch merken, auch wenn es in Deutschland im Moment nur per Import erhältlich ist. Mark Insleys Zeit wird in den entsprechenden Kreisen auf alle Fälle kommen! "Tuscon" ist weit besser als so vieles was in Sachen Americana und Alt. Country veröffentlicht wird, hat alles, was man erwartet und kann trotzdem wegen des guten Songwritings immer wieder überraschen. Sehr relaxed, ja manchmal fast lakonisch erzählt Insley Geschichten aus dem Leben, die man ihm glaubt. Extrem tight spielt dazu seine Band zusammen mit Gästen wie Dave Alvin, Albert Lee, Greg Leisz und Davey Faragher. Es ist müßig den großen Namen der alten Jayhawks immer wieder zu bemühen, aber hier ist der Vergleich als Lob für beide Seiten tatsächlich mal wieder angebracht. Anhören! [pb: @@@@]


Rice, Rice, Hillman & Pedersen "Running Wild"

Acoustic Songs – Gewohnt schön und entspannend
(CD; Rounder)

In den USA ist "Running Wild" bereits Ende 2001 erschienen und man musste schon befürchten, dass dieses dritte Album von Rice, Rice, Hillman & Pedersen den Weg nach Europa nicht schafft. Dabei steht es seinen beiden Vorgängern in nichts nach. Unglaublich entspannt gehen die vier Namensgeber zusammen mit ein paar Mitmusikern an die Sache ran und lassen so sowohl ihre als auch Fremdkompositionen ("Things We Said Today", "20+4") zum Leben erwachen. Während der Country-Mainstream immer mehr zum Pop schielt und dabei – wenn wir mal ganz ehrlich sind – doch völlig baden geht, orientieren sich diese Herren, die ja immerhin mit Bands wie den Byrds oder auch der Desert Rose Band die Geschichte des Country-Rock entscheidend mitgeprägt haben, an einer rein akustisch gespielten Musik, wie man sie auch schon vor 30 Jahren hätte spielen können und sind dabei doch voll im hier und jetzt. Juhu, es gibt ein Leben nach dem Rock'n'Roll. [pb: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Hot Rize "So Long Of A Journey"

Bluegrass – Ein Bluegrass Dream Team auf Höhenflug
(CD; Sugar Hill)

Ihr letztes Album erschien bereits 1992, aber spätestens mit dem zu frühen Tod von Gitarrist Charles Sawtelle 1999 wurden sowohl Hot Rize als auch das, den 50er-Jahre Country so herrlich karikierende Alter-Ego Red Knuckles and The Trailblazers, zu Grabe getragen. Sehr schade, denn was Peter Wernick (banjo, voc), Nick Forster (b, voc), Tim O'Brien (mandoline, fiddle, voc) und Charles Sawtelle (git, voc) zu bieten hatten, war für den Bluegrass ganz sicher eine Bereicherung.
Der jetzt vorliegende Live-Mitschnitt aus dem Jahre 1996 zeigt das Quartett auf absolut höchstem Niveau und voller Spielfreude. Perfekter mehrstimmiger Gesang und eine ihresgleichen suchende Saitenarbeit unterstützen eine schöne Mischung aus Traditionals, Coverversionen und eigenem Material der vier Songwriter. "Radio Boogie" und "Life's Too Short" sind nur zwei der vielen Höhepunkte, selten wird Musik mit so viel Hingabe gemacht. Der Sommer kann kommen, let the grass be blue! [pb: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Nanci Griffith Re-Releases

(CD)

Schönerweise auch in Deutschland wieder erhältlich sind die ersten drei Alben der texanischen Singer/Songwriterin Nanci Griffith. Bevor sie mit countryesker Popmusik liebäugelte, legte sie mit diesen noch sehr Folk-orientierten Platten den Grundstock für ihre Karriere. [pb]


Nanci Griffith "There's A Light Beyond The Woods"

Austin Singer/Songwriterin – Der erste, noch etwas unausgegorene Schritt – 1978
(CD; Philo)

Wenn auch noch etwas unausgegoren, lässt "There's A Light Behind These Woods" bereits das songwriterische Talent von Nanci Griffith aufblitzen. Typisch Folkmusik erzählt sie auf diesem ursprünglichen selbstverlegten Album sehr persönliche Geschichten. [pb: @@@]


Nanci Griffith "Poet In My Window"

Austin Singer/Songwriterin – Folk, inzwischen stark Austin-Country geprägt – 1982
(CD; Philo)

Vier Jahre später ging Griffith mit ihrem zweiten Album einen großen Schritt in Richtung Country. Natürlich immer noch fernab von Nashville, sondern typisch für Austin erdiger im Sound, hören wir hier zum ersten mal Songs, die noch lange das Programm von ihr prägen sollen. Sehr schön "Working In Corners". [pb: @@@]


Nanci Griffith "Once In A Very Blue Moon"

Austin Singer/Songwriterin – das beste Album der frühen Phase – 1984
(CD; Philo)

Mit ihrem 1984 veröffentlichten, dritten Album gelingt Griffith der erste große Wurf. Ihr Songwriting hat endgültig einen ganz eigenen Stil entwickelt und mit den Coverversionen wie dem Titelsong beweist sie ein gutes Händchen. Dieses Album der 80er-Jahre Countryszene gehört in eine gute Roots-Sammlung. [pb: @@@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


(cc) 1996-2016 Einige Rechte vorbehalten. Dieses Werk ist unter einem Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung Lizenzvertrag lizenziert. Um die Lizenz anzusehen, gehen Sie bitte zu http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/de/.

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