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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #276 vom 07.01.2002
Rubrik Feature

Peter's Honky Tonkin' #4

Das erste Honky Tonkin' dieses Jahr lässt zumindest einem Teil der CDs aus 2001 die Gerechtigkeit zu teil werden, die ihnen eigentlich zusteht, aber in der Fülle der Veröffentlichungen auf der Strecke bleiben musste. Zum Glück ist die Halbwertszeit guter Musik sehr hoch... [pb]


Dale Watson

Dale Watson, der erst seit 1995 Platten veröffentlicht, klingt wie ein ganz alter Hase. In bester Tradition von Merle Haggard oder auch Buck Owens bewegt er sich irgendwo zwischen Honky Tonk und Bakersfield, hätte völlig unproblematisch auch ein großer Held der 1950er sein können. Dabei klingt er nie altbacken, sondern immer frisch, nur halt ein bisschen old fashioned. Gleich drei Scheiben von Dale Watson haben das Licht der Countrywelt in letzter Zeit (wieder) entdeckt. Hier den Überblick zu bewahren, war gar nicht einfach, deshalb gibt's einfach alle drei auf einmal. [pb]


Dale Watson & His Lone Stars "People I've Known, Places I've Been"

Swinging Honky Tonk
(CD; Continental)

In den USA nur bei Liveshows erhältlich, wurde diese, bereits 1999 aufgenommene CD, in Europa nun ganz offiziell veröffentlicht. Dale Watson und seine traumhaft eingespielten Lone Stars liefern wieder einmal allerhöchste Qualität. Musikalisch irgendwo zwischen den alten Klassikern des Honky Tonk, Lyle Lovett und einem John Ford-Western, gehen diese vier Jungs es so locker an, dass es schon fast eine Unverschämtheit ist: Immer wieder brilliert die Pedal Steel, es groovt und schiebt und über all dem erzählt Dale Geschichten. Zum Beispiel die von "That Man In The Lloyd Cross Crease", einem der schönsten Songs des Albums. [pb: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Dale Watson & His Lone Stars "Preachin' To The Choir"

Live-Twang
(CD; Continental)

Wenn Reverend Watson predigt, lauscht die Gemeinde und lässt sich ab und zu zu euphorischen Begeisterungsstürmen hinreißen. Daher der Titel dieser sehr schönen Liveaufnahme, die jene Magie voll einfängt, die zwischen Publikum und Band am 7. und 8. August 2000 im Londoner Borderline herrschte. Dazu kommt, dass das Quartett nicht einfach ein "Best of..."-Programm runterspult, sondern viele der hier gespielten Originale und natürlich auch die heldenverehrenden Coverversionen, bislang nicht auf Platten der Texaner zu finden waren. "Preachin' To The Choir" ist ein honky-tonkin' Livealbum, das sich leicht mit den großen Klassikern des Genres messen kann. [pb: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Dale Watson "Every Song I Write Is For You"

Redneck-Love-Songs
(CD; CRS)

Das erste Album, das Dale ohne seine Lone Stars aufgenommen hat, ist seiner bei einem Autounfall verunglückten Verlobten gewidmet. Anfangs nur bei Livekonzerten erhältlich, dann um fünf Songs erweitert und nun offiziell erschienen, beinhaltet "Every Song I Write Is For You" vierzehn Liebeslieder. Nicht nur Schmachtfetzen, sondern auch Western Swing-getränkte Midtempo-Songs. Dieses Album ist etwas für Romantiker und echte Cowboys. Liebe kann so schön sein. Und so hart. "Bittersweet" ist das wahrscheinlich beste dafür je benutzte Wort. Dieses Album ist der Soundtrack! [pb: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Beau Jocque & The Zydeco Hi-Rollers "The Best Of"

Zydeco, heiß und knackig
(CD; Rounder)

Beau Jocque war in seiner kurzen Karriere eines der großen Aushängeschilder einer neuen Zydeco-Generation. Seine mit Soul, Rock, Reggae und sogar HipHop durchmischte Creole Culture setzte vom Debüt-Album 1993 bis zu seinem frühen Tod 1999 neue und hohe Maßstäbe. Rounder würdigt Beau Jocque und seine Hi-Rollers nun in der sehr schönen Heritage-Serie. "The Best Of" bietet mit 13 Songs einen Überblick über alle wichtigen Alben und liefert für eingefleischte Fans noch zwei bis dato unveröffentlichte Livetracks. Im 24-Bit Verfahren digital remastered bietet dieser Sampler so den idealen Einstieg in die heiße Welt des Beau Jocque-Zydeco. [pb: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Ron Block "Faraway Land"

Akustischer, leicht bluegrassiger Country mit religiösem Einschlag
(CD; Rounder)

Ron Block verdient seine Brötchen normalerweise bei Alison Krauss' Union Station. "Faraway Land" ist sein erstes Soloalbum. Da die komplette Union Station als Gäste mitwirken, ist es kein Wunder, dass sich Block musikalisch nicht weit entfernt. Im Gegenteil, wo Alison Krauss auch mal mit leicht poppigen Gefilden liebäugelt, hält sich der Gitarrist streng an die Regeln der traditionellen, immer rein akustischen Roots. Textlich gibt Block dazu leider immer wieder den strenggläubigen Christen, ja ich kann mich hie und da des Eindrucks nicht erwehren, er versuche mich zu missionieren. So flockt "Faraway Land" zwar ganz schön nebenher, ohne dabei allerdings echte Höhepunkte zu bieten. [pb: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Dan Brodie & The Broken Arrows "Big Black Guitar"

Knarziger Indie-Country
(CD; Last Call)

Komische Platte, die 'dicke schwarze Gitarre'. Fängt schon mit der Besetzung an: Akustische Gitarre, Pedal-Steel und Schlagzeug. Und der Gesang des 24-jährigen australischen Songwriters Dan Brodie, der über einen guten Song sagt: "Saying what other people only think often makes a great song." Dan Brodie, der sich selbst als das fehlende Glied zwischen Nick Cave und Johnny Cash sieht, der mit der Wut eines Kurt Cobain einen Song in die Welt hinaus schreit ("I Seen The Light"), um den nächsten in der smarten Art eines Hank Williams zu croonen ("Lover, Lover, Lover"). Gut und schön, aber kann er all das auch auf Platte transportieren? Vielleicht liegt es am Fehlen des Basses, dass die CD irgendwie unfertig, manchmal fast fragmentarisch wirkt. Vielleicht liegt es auch an der Lo-Fi-Produktion. Genau in diesem unausgegorenen Zustand liegt jedenfalls ihr Charme: knarzig, spröde, echt kommt sie daher. Ob das über längere Zeit Bestand hat, weiß ich noch nicht, einen Test ist es auf alle Fälle wert. [pb: @@@]


Phil Lee "You Should Have Known Me Then"

Singer/Songwriter
(CD; Shanachie)

Es wird sie immer geben, die Menschen, die einfach die Musik machen, die sie gerne mögen. Fernab von Wellen, MTV und angeblich angesagten Stilen machen sie ihr Ding und hoffen, dass sie bei ein paar Menschen Gehör finden. Jonathan Richman ist so einer. Oder Steve Forbert. Und eben Phil Lee. Mal akustisch countryesk, mal fast rockig mit wabbernder Hammond im Hintergrund, beide Augen offen in Richtung Blues und auch mal Soul, macht er seine kleine, feine Musik. Stimmlich liegt er irgendwo zwischen Forbert und Dylan ohne den Tiefgang von beiden in ihren guten Momenten zu erreichen. Will er wahrscheinlich auch gar nicht. Er und seine Gäste (Freunde?) u.a. Gillian Welch, Allison Moorer und Ken Coomer von Wilco haben hörbar ihren Spaß. "You Should Have Known Me Then" ist auf Platte gepresste Club-Musik, die einen live zum Bier trinken bringt, mit der man aber auch auf CD einen schönen Abend verbringen kann. Nicht mehr, aber auch keinen Deut weniger. Anspieltipp: "Babylon"! [pb: @@@]


Danni Leigh "Divide And Conquer"

Country– Sehr schönes, Bakersfield-beeinflusstes Middle-of-the-Road-Album
(CD; Audium)

Danni Leigh macht auf ihrem dritten Album den richtigen Schritt. Während sie immer wieder gern als weiblicher Dwight Yoakam bezeichnet wurde, konnten ihre beiden ersten Alben wegen klassischer Überproduktion, the Nashville kind, nicht unbedingt überzeugen. Für dieses dritte Album, bei dem kleinen Label Audium erschienen, holte sich Leigh nun Yoakams Partner in Crime Pete Anderson als Gitarristen und Produzenten, und konnte "Divide And Conquer" so die nötige Spröde geben. Songs wie das herzschmerzende "My Last Chance Is Gone" oder das Mandolinen- und Fiddle-getragene "Don't Feel Like Crying" sollten eigentlich in Zukunft auf jeder Country-Station laufen. Zusammen mit Cracks wie Jim Lauderdale (u.a. auch Autor einiger Songs) und Don Heffington ist Danni Leigh beim dritten Wurf also ein Album gelungen, das ihr einen festen Platz im Herzen der Cowboys dieser Welt sichern sollte. [pb: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


David Todoran "Under My Skin"

Singer/Songwriter
(CD; Ulftone)

"Under My Skin" ist ehrliche, handgemachte Musik aus dem amerikanischen Mittelwesten. Heutzutage nennt man so etwas Americana, Alternative Country oder auch Roots-Rock. Dem aus Indiana stammenden Songwriter David Todoran sind die Etiketten egal, die man seinen Songs gibt, ihm geht es um die Lieder an sich. Und genau die sind es, die während der angenehm kurzen Laufzeit von 34 Minuten auffallen. Unauffällig mit Gitarren, Pedal Steel, Bass und Schlagzeug instrumentiert und trocken produziert singt Todoran Songs von, wie er es nennt, "Love, Loss and Twang". Das ist nicht neu, aber all diejenigen unter euch, die einfach gute Songs und sogenannte "handmade music" mögen, sollten sich "Under My Skin" anhören. [pb: @@@]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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