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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #267 vom 29.10.2001
Rubrik Feature

Hard'n'Dark #3

Heavy Metal ist nicht das Genre, das man gerne mit Innovation gleichsetzt. Ein gutes Beispiel für die Klischeekeule ist zwar dabei, aber was die alten Recken von Queensryche hier abreißen und die jüngere Garde der Düster-Metaler vom Stapel lässt, sind Alben, die es zu loben lohnt. [dmm: @@@]


Borknagar "Empiricism"

Metal – Diesmal mehr 'epic' als 'black'
(CD; Century Media)

Borknagar – allein der Name lässt wüstesten Metal vermuten. Wüst sind die fünf Schweden – aber auch überraschend filigran. Mit Vintersorg als neuem Sänger präsentiert sich die Band auf ihrem neuen Album noch ausgeschlafener, als auf dem Vorgänger "Quintessence". Wer eine gewisse Härte ertragen kann, sollte "Empiricism" unbedingt ein Ohr schenken. Melodisch epische Parts wechseln mit gnadenlosen Geschwindigkeitsattacken. Vintersorg deckt mit seiner Stimme alle Facetten ab und bildet die optimale Ergänzung zur Gitarrenarbeit von Øystein G. Brun. Was Borknagar auf ihrem neuen Album abreißen, muss jedem Hörer zumindest Respekt abnötigen. Hier wird nicht stur gebolzt, sondern komplexe Songstrukturen vorangepeitscht, die immer wieder neue Triebe hervor bringen. Wie gesagt – bretthart, aber ziemlich gut. [dmm: @@@]


Novembre "Novembrine Waltz"

Dark-Metal – Hält, was der Titel verspricht
(CD; Century Media)

Italiener und Metal – bis auf wenige Ausnahmen ein Desaster sondergleichen. Insofern kommt es einer handfesten Überraschung gleich, dass das italienische Trio Novembre in vielerlei Hinsicht Maßstäbe setzt. Beginnend bei der ästhetischen Covergestaltung über die ausgefeilten Kompositionen bis hin zu einem wirklich ungewöhnlichen Fremdtitel: Mit der Unterstützung von Ann-Mari Edvardsen hat sich das Trio "Cloudbusting" von Kate Bush vorgenommen und scheitert nicht an dem Versuch, fragilen Pop mit Metal zu vereinen. Ansonsten steht Gitarrist Carmelo Orlando hinter dem Mikro, der speziell in den düster atmosphärischen Parts einen guten Eindruck hinterlässt. Bei den Growls klingt er zwar wie jeder Andere, aber die sind zum Glück recht rar gesät. Novembre bieten sieben gute Gründe, bzw. Songs, warum ich immer noch Metal höre. Was sich hier an Dynamik und Ideenreichtum tut, stellt den ein oder anderen Gitarren-Schrammler locker in den Schatten. Wer die älteren Anathema, Katatonia oder auch Amorphis mag, kriegt hier nochmal stimmungsvolles Düsterfutter für den Herbst. [dmm: @@@@]


Queensrÿche "Live Evolution"

Rock – Was auf der Konserve nicht mehr funktioniert, kommt live noch ziemlich gut
(2CD; Sanctuary)

Achtung, hier haben keine alten Rock-Dinos ihre dicke Wampe auf die Bühne gewuchtet und wollen nochmal schnell ein paar Mark verdienen. Auf dem Doppel-Album "Live Evolution" präsentieren sich Queensryche in einer Form, die ich ihnen nicht mehr zugetraut hätte. Ausnahmesänger Geoff Tate hat von seiner markant hohen Stimme nicht einen Halbton verloren und wo andere Kollegen sich mit neuen Gesangslinien helfen müssen, kommt er bei den Klassikern in die Spitzen wie eh und je. Die 30 Tracks sind chronologisch geordnet und decken die komplette Schaffensphase der Band ab, mit Schwerpunkt auf ihrem Opus Magna "Operation Mindcrime". Wenn sie auf der zweiten CD die Chronologie kurz aufbrechen und die Titel von "Promised Land" vor "Empire" spielen, dann fällt auf, wie sehr "Operation Mindcrime" und "Empire" die Hochphase der Band bezeichnet haben. Es wäre aber ein Fehler, sich die Live-Versionen der neueren Titel nicht anzuhören. Wenn Queensryche es schaffen, die Vitalität, die hier aus allen Löchern platzt, auf ihr nächstes Studiowerk zu retten, dann hat der Fünfer definitiv wieder ein Anrecht auf den Thron Seattles. [dmm: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Rhapsody "Rain Of A Thousand Flames"

Disney-Metal mit Goofy als König Artus
(CD; Limb)

Eine Regel, die (fast) immer gilt: Gute Metal-Alben erkennt man am klischeefreien Cover-Artwork. Diese Regel funktioniert meistens auch umgekehrt. Wenn Flammen, Drachen, Monster und gerne auch Schwerter vorne drauf sind, wirft das beim Hören viele Fragen auf: Warum läuten bei Rhapsody immer Glocken? Warum erzählt ein Sprecher Zwischentexte, die vor Kitsch nur so triefen ("...come on, mighty warrior...")? Warum meint man, das alles schon 100-mal gehört zu haben? Rhapsody sind zwar bei der Melodic Metal-Gemeinde schwer beliebt, aber viel lächerlicher geht es nicht mehr. Fantasy-Metal, der so authentisch ist wie ein Ritterfilm aus den 50er Jahren. [dmm: @]


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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