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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #263 vom 01.10.2001
Rubrik Feature

Sal's Prog Corner #14

Der Herbst beschert dem Prog-Fan gleich eine ganze Reihe neuer Veröffentlichungen: Die Rock-Dinos von Yes rücken auf "Magnification" mit kompletten Orchester an, die Szene-Lieblinge The Flower Kings präsentieren mit "The Rainmaker" ihr neues Studiowerk, Present bietet auf "High Infidelity" einmal mehr einen Beweis dafür, dass Belgier eben einfach anders sind. [sal]


The Flower Kings "The Rainmaker"

Schwedische Wertarbeit
(CD; InsideOut)

Roine Stolt und seine Mannen von den Flower Kings legen mit "The Rainmaker" ihr neuestes Studioalbum vor, dass sich quasi nahtlos in die Entwicklungsgeschichte der Band einreiht.
Genau hier liegt aber (so langsam) der Knackpunkt bei den Schweden – ihre Alben kopieren sich in einer gewissen Art und Weise selbst, wenig Neues fließt in die Kompositionen (rühmliche Ausnahme ist das exquisite Bassspiel Jonas Reingolds) und so vermag "The Rainmaker", trotz seiner überdurchschnittlichen Werte, nicht mehr so zu überzeugen, wie seine Vorgänger.
Interessant wird das Album erst in der Limited Edition mit einer Bonus-CD, auf der auch die anderen "Blumenkönige" ihre musikalischen Ideen entwickeln konnten. Tomas Bodin mit einer irren Wendy/Walter Carlos-mäßigen Version des Wagner'schen Walkürenritt etwa oder der schon oben gelobte Jonas Reingold, der die jazz-rockige Komponente der Band deutlich zum grooven bringt. Dazu gibt es noch zwei Videos mit Proben- und Backstagematerial. Nur so wird aus einer soliden Scheibe eine versöhnlich stimmendes Kleinod. [sal: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Yes "Magnification"

Prog-Dinos mit Symphonieorchester
(CD; Eagle)

Nachdem Keyboarder Rick Wakeman Ende der 1990er mal wieder Yes verließ (zum vierten Mal übrigens!), versuchte der Rest der Band den Ausnahmekeyboarder mit farb- oder talentlosen Musikern zu ersetzen: ohne Erfolg. Der völlige Verzicht auf einen Keyboarder schien also nur eine logische Konsequenz aus dem Besetzungsdesaster der letzten Jahre, ein ganzes Symphonieorchester übernimmt auf "Magnification" nun den Großteil der Keyboard-Parts, den Rest drückt Drummer Alan White mal eben in die Tasten.
Eben dieser Alan White ist aber auch einer der Hauptkritikpunkte am neuen Album. Jedoch nicht, wie man vermuten könnte, sein Tastenspiel, sondern sein grässliches Geholze an den Drums, das überflüssigerweise in einem direkten quasi-live-Sound in den Vordergrund gemischt wurde. Auch der Einsatz des Orchesters bleibt weit hinter dem Möglichen zurück, das hätte man sich deutlich spektakulärer vorstellen können. Positiv anzumerken sind Bass und Vocals von Yes-Urgestein Chris Squire, Jon Andersons Lead Vocals und Texte vermeiden wenigstens die ganz peinlichen Ausfälle vorangegangener Alben, Steve Howes Gitarre ist wie immer brillant. Ganz so altbacken, wie auf den letzten Alben geht es auf "Magnification" nicht zu, es ist wohl das experimentellste, was man (realistisch betrachtet) von dieser Band noch erwarten konnte, die alten Fans werden mit dem Album leben können. Alles in allem eine solide Leistung mit einigen gelungenen Songs und keinem Ausfall. [sal: @@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Present "High Infidelity"

Belgische Avantgarde
(CD; Carbon 7)

Dem Prog-Rock haftet schon lange das Etikett "überholt" an, das Genre wirkt auf Außenstehende statisch und präsentiert wenige wirklich neue Ideen. In einer Auffassung von (Rock-)Musik als stets innovativer Kraft, ist Prog alles andere als progressiv, sondern eben regressiv oder anachronistisch.
Bei solch einem vorschnellem Urteil übersieht man gewiss einen großen Teil der neu gebildeten 'young emerging scene', die sich z.B. in Deutschland, Schweden, den USA und Italien gebildet hat. Man übersieht (vielmehr überhört) aber auch die Aussenseiter, Bands wie die belgische Formation Present etwa, die Band um das belgischen Prog-Urgestein Roger Trigaux (ex-Univers Zero), die mit "High Infidelity" ihr bislang bestes Album vorstellen.
Ihre polyrhythmische, aggressive, zynische, niemals auszurechnende Musik, hauptsächlich instrumental gehalten, ist bestimmt kein gefälliges Gedudel. Presents Musik ist und bleibt unberechenbar. Die jetzt integrierten Bläser unterstreichen die experimentelle und jazzige Note der Musik, bei Kompositionen wie "Strychnine For Christmas (The Truth About Santa Claus)" schlägt das Prog-Herz des Rezensenten fröhlich im 7/4 Takt – Prog-Rock überholt, manieristisch? Völliger Unsinn, die durchgeknallten Belgier von Present sind ihrer Zeit weit voraus und (auch wenn das nicht immer zusammen gehört) großartig. [sal: @@@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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