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[ << | Inhalt | >> ]Ausgabe #200 vom 05.06.2000
Rubrik Feature

Peter's Honky Tonkin' #1

"We're this band called The Crimson Kings/ We come from Carolina and Tennessee/ We make our stand with bronze wound strings/ Old dreadnoughts and drop down D's" (Ray Wylie Hubbard)


Kristi Rose "This Is Pulp Country!"

Zu billige, countryeske Tarantino-Hommage
(CD; Continental Song City)

"This Is Pulp Country!" Diese Anspielung kapiert wohl jeder. Wir winken mit einem Zaun! Setzen gar ein Ausrufezeichen dahinter! Kristi Rose will mit Country-Musik machen, was Quentin Tarantino mit dem Gangsterfilm tat. Sie und ihr Mann Fats Kaplin haben sich mit Kenny Vaughan (g) und Byron House (b) sogar die richtigen Mitstreiter gesucht. Und sie schmeißen auch die richtigen Zutaten in ihren Topf: Ein bisschen Wanda Jackson, ein wenig Nancy Sinatra, ein Tropfen Rockabilly und ein Löffel Schmalz, Detroit-Ingredienzen und Nashville-Zutaten. Nur: Wo Tarantino aus all seinen Zitaten einen eigenen, genialen Stil entwickelt, wirkt "This Is Pulp Country!" wie ein Gemischtwarenladen und die Band trotz der meist eigenen Songs wie eine billige Coverband. [pb: @@]


BR5-49 "Coast To Coast"

Honky-Tonk-Party mit den Erben der Lost Planet Airmen
(CD; Arista)

Kommen wir doch da zu etwas viel Erfreulicherem: BR5-49 sind die definitiven, absolut legitimen Nachfolger von Commander Cody & His Lost Planet Airmen! Berstend vor Energie zaubern sie aus Honky Tonk, Western Swing, Country und Boogie eine hochexplosive und immer amüsante Mischung. Dabei sind BR5-49 immer tight und musikalisch ausgefuchst, "zappen" leichtfüßig durch die verschiedensten Stile und schütteln nebenher noch das ein oder andere Irrsinnssolo aus dem Handgelenk. Dass Don Herron, Chuck Mead, Gary Bennett, "Hawk" Shaw Wilson und "Smilin'" Jay McDowell mit "Coast To Coast" bereits das zweite Livealbum veröffentlichen, verwundert nicht, fühlt sich das Quintett aus Nashville auf der Bühne doch hörbar am wohlsten. Gerade live schöpfen sie aus dem Vollen, machen Musik mit einem großartigen Sinn für Humor. Dabei spielen sie niemals mit einem Lächeln, immer aber mit einem Grinsen! [pb: @@@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Faith Hill "Breathe"

Fließband-Country-Pop
(CD; Warner)

Ein geübtes Lächeln hingegen strahlt uns von zwei anderen Veröffentlichungen entgegen. Jeweils vor einem leicht braunen Hintergrund steht eine blondbemähnte Mid- bzw. Enddreissigerin in schwarzem Dress und übt für eine zweite Karriere als Model. Aber nicht nur äußerlich ähneln sich beide CDs, auch "inhaltlich" wollen beide das von Shania Twain gepflügte countryeske Popfeld beackern.
Faith Hill kann Punkte machen durch ein gut rockiges "Bringing Out The Elvis" und eine recht angenehme Version von Springsteens "If I Should Fall Behind". Ansonsten ist dieses Album das klassische Beispiel von ein bisschen zu viel von Allem: Zu viel gesichtslose Songs, zu viel Produktion, zu viel "Wie kriege ich mindestens drei Singles ins Radio"-Geschiele und zu allem Überfluss auch noch zu viel Haut. [pb: @]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Trisha Yearwood "Real Live Woman"

...wieder Fließband, diesmal ein bisschen mehr Country als Pop
(CD; MCA Nashville)

Da liegt die andere Blondheit dann doch um ein Stupsnäschen vorn. Mag vielleicht an den zehn Jahren mehr Businesserfahrung liegen. Trisha hat mit Mary Chapin Carpenter, Kimmie Rhodes, Al Anderson und wieder Bruce Springsteen hier auf alle Fälle die besseren Songwriter am Start. Auch ihr Gesang überzeugt mehr, klingt auf "One Love" tatsächlich schon nach Bonnie Raitt. Und die Stimmung bei den Aufnahmen scheint auch o.k. gewesen zu sein, kann man doch bei den Herren Studiomuckern fast sowas wie Spiellaune durchhören. Unterm Strich bleibt natürlich auch hier ein austauschbares Massenwerk. Hierfür hat Ford das Fließband nicht erfunden! [pb: @@]


Claire Lynch "Love Light"

Songorientierter Modern-Bluegrass
(CD; Rounder)

Eine ganz andere Richtung schlägt die vierte Dame in unserer heutigen Runde ein. Auch auf ihrem fünften Soloalbum spielt und vor allen Dingen singt Claire Lynch songorientierten Bluegrass. Mandoline, Dobro, Fiddle und was sonst noch so dazu gehört liefern ein sehr relaxtes, aber nie langweiliges Fundament für Lynchs an Alison Krauss oder auch an Nanci Griffith erinnernde Stimme. "Love Light" ist das ideale Album für euer Barbecue, wenn alle schon pappsatt sind, der Grill noch glüht und der Alkoholspiegel noch nicht nach Party schreit. [pb: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


Ray Wylie Hubbard "Live At Cibolo Creek Country Club"

Redneck Singer/Songwriter
(CD; Continental Song City)

Und wenn dann am Ende eures BBQ alle schon ein bisschen bierselig sind, dann legt ihr diese CD auf. Akustisch (und nicht aufgepumpt unplugged) präsentiert sich die Band u.a. um Stephen Bruton (Musical Director, mandolin, acoustic guitar) und Lisa Mednick (accordion, vocals) in guter Form. Ray Wylie Hubbard selbst, einer der letzten Poeten im Country-Zirkus, zeigt sich von seiner fast schon geschwätzigen Seite, erzählt vor beinahe jedem Song eine nette Anekdote oder lustige Geschichte. Und immer wenn er am Ende die Lacher auf seiner Seite hat, folgt einer seiner Songs. Eindringlich, ursprünglich, echt. "Last Train To Amsterdam" heißen die, oder "Ballad Of The Crimson Kings" und wenn am Ende des Tracklistings "The Obligatory Encore" steht, ist das natürlich "Up Against The Wall, Redneck Mother". [pb: @@@]


Verweise auf diesen Artikel aus späteren Ausgaben:


@@@@@ - potentieller Meilenstein: Starlight
@@@@ - definitives Highlight: Highlight
@@@ - erfreuliche Delikatesse: Delight
@@ - solides Handwerk: Solidlight
@ - verzichtbarer Ausschuss: Nolight


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