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[ Inhalt ]Ausgabe #169 vom ..
Rubrik Neu erschienen

Roland Neuwirth Extrem Schrammeln "Geschrammelte Werke 1974-1999"

Wiener Auslese mit Country-Blues & Jazz –
(2CD; Warner)

Wir Österreicher haben ein sehr ambivalentes Kulturverständnis: Wir reisen gerne oft möglichst weit weg von Österreich, unser Wahlverhalten tendiert dennoch oftmals Richtung Entmenschlichung der Nicht-Österreicher. Wir wissen zwar, daß ein Fußball wie die Welt keine Scheibe ist, aber damit hat sich's auch schon. Wir lieben Talkshows wie "Vera" und Musikforen wie "Musikantenstadl" und im übrigen gilt Reinhard Fendrich hierzulande als Genie und Literatur als Abszeß. Aber es gibt auch das "andere" Österreich: Vor mittlerweile 25 Jahren z.B. versuchte ein junger Mann die Schrammel-Musik, jene Musikform, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand und irgendwann als Touristenattraktion zwischen Grinzing und Peking verkommen ist, vom triefenden Kitsch zu befreien: Roland Neuwirth, dem der Kunstgriff gelang, das Wienerlied mit Eigenkompositionen und progressiven Neu-Arrangements zu retten und wiederzubeleben, schaffte auch dessen Etablierung – nicht zuletzt, weil er die traditionelle Schrammel-Musik mit viel Jazz und noch mehr Blues fusionierte. "Der Blues, das muß ein Wiener sein", heißt es auch nicht grundlos. Ein Konzert von Roland Neuwirth Extrem Schrammeln ist im übrigen tatsächlich ein besonderes Erlebnis, da seine Live-Auftritte eine Momentaufnahme darstellen; er fällt – rücksichtslos sich selbst gegenüber – in die Songs hinein und mit ihm seine grandiosen Mitschrammler Doris Windhager (Überstimme), Manfred Kammerhofer, Tscho Theissig (beide Violine) und Walther Soyka (Chromatische Knopfharmonika). Die "Geschrammelten Werke" stellen im Wesentlichen eine Art "Best Of" dar, von Roland Josef Leopold Neuwirth persönlich "ausgelesen". Acht Songs wurden sogar neu eingespielt, dennoch wäre ein weiteres Live-Album nach "Waß da Teufel" von 1989 weitaus befriedigender ausgefallen, zumindest für jene, die seit Jahren zu seinen Konzerten pilgern. Für Neueinsteiger und Neugierige sei es ohne Vorbehalt empfohlen, denn die Ansammlung 30 großartiger Mikrokosmen ist es wert gekauft zu werden. Einige Songs hervorzuheben und somit über andere zu stellen, fällt schwer, dennoch sei dieser Versuch gewagt: "I bin im Gart'n", die Versinnbildlichung der Wiener Gemütlichkeit etwa, ist ein Highlight, "Wann die Sunn scheint", das wohl lebensbejahendste Lied, das einem zu Gehör gebracht werden kann, kommt gleich dahinter; und mit "Aber du bist mei' Kittl'falt'n" schuf der Gitarrist eines der schönsten und sehnsuchtsvollsten Liebeslieder.
Kurzum: Neuwirths Poesie stellt die Essenz – Essig & Öl – des (Vor-)Alpen-Volks dar. [mh: @@@@]



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